Dänemark: "Jyllands-Posten" verzichtet derzeit auf Mohammed-Karikatur

8. Jänner 2015, 16:39
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Keine umstrittenen Mohammed-Bildchen – Chefredakteur: Wäre gegenwärtig "absolut unverantwortlich"

Paris/Kopenhagen - Nach dem Anschlag auf die satirische französische Zeitschrift "Charlie Hebdo" hat die Tageszeitung "Jyllands-Posten" aus der dänischen Stadt Aarhus bewusst darauf verzichtet, an ihre vor zehn Jahren publizierte Karikaturen-Strecke über den Propheten Mohammed anzuknüpfen.

"Ich bekräftige mein Recht, als Chefredakteur jede Art von Zeichnungen bei Gelegenheit zu veröffentlichen - aber nicht jetzt", erläuterte Chefredakteur Jörn Mikkelsen am Donnerstag in einer Kolumne seiner Zeitung. "Die Debatte wird nun seit zehn Jahren geführt - für oder gegen die Karikaturen - und wir müssen weiterkommen."

Mohammed-Karikaturen wurden 2005 veröffentlicht

Die "Jyllands-Posten" steht unter ständiger Bedrohung, seit sie 2005 Mohammed-Karikaturen veröffentlichte, die anschließend auch in "Charlie Hebdo" publiziert wurden. Gegen die Veröffentlichung wurde in mehreren muslimisch geprägten Länder demonstriert, zum Teil gewalttätig. Die dänische Polizei vereitelte mehrfach Anschläge auf die "Jyllands-Posten". Nach dem Pariser Anschlag wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Aarhus verstärkt. Schutz genieße vor allem der Chefredakteur, der die Veröffentlichung 2005 verantwortete, Flemming Rose.

Mikkelsen sagte am Donnerstag, in der gegenwärtigen Situation halte er es für "absolut unverantwortlich", neue oder alte Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen. Die "Jyllands-Posten" trage Verantwortung für sich selbst und für ihre Angestellten. Dagegen brachten die dänischen Tageszeitungen "Politiken" und "Berlingske" am Donnerstag etliche einschlägige Titelseiten von "Charlie Hebdo", darunter eine, auf der zu sehen ist, wie ein Jude den Propheten Mohammed im Rollstuhl vor sich herschiebt. Die Boulevard-Zeitung "Ekstra Bladet" nannte sich am Donnerstag ausnahmsweise "Charlie Hebdo". (APA, 8.1.2015)

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