"Je suis Charlie"-Mahnwache in Salzburg von zwei Seiten

8. Jänner 2015, 15:59
135 Postings

Identitäre Bewegung und Plattform gegen Rechts rufen zur Mahnwache vor französischem Konsulat auf

Salzburg – Am Donnerstagabend wurde auch in Salzburg zu einer Mahnwache für die Opfer des Anschlags auf die Redaktion des französischen Satirezeitung Charlie Hebdo aufgerufen. Was als Mahnwache für Meinungsfreiheit mit Baguette und Hummus begann, entwickelte sich zu zwei Mahnwachen auf verschiedenen Straßenseiten und endete mit einer Polizeieskorte.

Bereits am Mittwoch rief die Identitäre Bewegung in Salzburg über Facebook zu einer Mahnwache für Donnerstag um 20:00 Uhr vor dem französischen Konsulat in der Imbergstraße auf. Eine Reaktion kam prompt von der Plattform gegen Rechts, die ebenfalls zur Mahnwache unter dem Motto "Liebe ist stärker als Hass" um 19:30 Uhr aufrief.

Rund 200 Teilnehmer bei Mahnwache

Am Abend versammelten sich dann rund 200 Menschen vor der Garageneinfahrt des französischen Konsulats. Es wurden Grabkerzen angezündet und Plakate mit den Titelseiten der Satirezeitung sowie den Slogans "Charlie ist bunt" oder "Charlie ist Pluralismus" hochgehalten.

Zwei Vertreter der Plattform gegen Rechts hielten kurze Reden. "Solange die Schlange des Extremismus mit der Ratte der Fremdenfeindlichkeit gefüttert wird, solange dreht sich die Spirale des Hasses weiter", betonte Marco Stadlberger von der Plattform und der ÖH Salzburg. Kay-Michael Dankl, der am Montag zum Bundessprecher der Jungen Grünen gewählt wurde und ebenfalls als Vertreter der Plattform gegen Rechts anwesend war, sagte: Es sei ironisch, wenn rechte Gruppierungen die Anschläge "dazu instrumentalisieren, um einen abendländischen Verteidigungskampf herbeizurufen".

Hummus und Baguette als Verpflegung

Als Verpflegung verteilte die Plattform Hummus und Baguette. Das solle als Symbol für die arabische Kultur und Frankreich stehen und zeigen, dass beides zusammenpasse, erklärte Stadlberger. Gegen 20:30 wurde die Mahnwache aufgelöst.

Etwa um 20:15 kamen rund 15 Personen zur zweiten angemeldeten Mahnwache vor dem Konsulat und stellten sich auf die gegenüberliegende Straßenseite, die Polizei im Rücken. Auf der anderen Straßenseite formierten sich rund zehn schwarz gekleidete Personen. Nach etwa einer viertel Stunde stellten sich zehn Polizisten vor die kleine Gruppe der zweiten Mahnwache. Vertreter der Plattform betonten abermals, dass die Veranstaltung nun beendet und aufgelöst sei. Etliche Teilnehmer verließen den Platz vor dem Konsulat. Die schwarz gekleidete Gruppe skandierte: "Gegen Nationalismus. Identitäre schleichts euch."

Ende mit Polizeieskorte

Die Identitäre Bewegung bat die Teilnehmer in der Veranstaltungseinladung explizit "auf politische Symbole jedweder Art" zu verzichten. Es werde keine Reden geben nur Kerzen und Stille, kündigten sie auf ihrer Facebookseite an. Die kleine Gruppe zündete auch Grablichter an und blieb stehen.

Eine halbe Stunde später verließen die Teilnehmer der zweiten Mahnwache den Platz in Begleitung von vier Polizisten. Die Polizeieskorte sei nötig gewesen, da die Teilnehmer schon auf ihrem Weg zur Mahnwache am Weitergehen gehindert wurden, hieß es von Seiten der Polizei. (Stefanie Ruep, derStandard.at, 8.1.2015)

Share if you care.