Angeknackstes Asien kämpft in Australien um seinen Titel

8. Jänner 2015, 14:03
24 Postings

Nach der enttäuschenden WM für die asiatischen Vertreter findet der Asien-Cup ab Freitag erstmals auf einem anderen Kontinent statt

Fußballerisch gesehen liegt Australien seit 2006 in Asien. Seit damals ist der Verband der Socceroos nämlich im Asiatischen Fußballbund (AFC) beheimatet. Zwischen 9. und 31. Jänner findet nun auch der Asien-Cup erstmals in Down Under statt. Niemand sonst hatte sich um die 16. Austragung des Turniers beworben.

Allgemein stet der Asien-Cup auch im Zeichen der Wiedergutmachung. Die AFC-Vertreter mussten bei der Weltmeisterschaft 2014 eine üble Schlappe einstecken. Vier Vertreter sammelten gerade einmal drei Punkte, kein einziger Sieg gelang. Die Mission, Afrika den Status als drittstärkster Verband streitig zu machen, ist vorerst grandios gescheitert. Das Bild vom zuletzt als im Aufwind geltenden Kontinent ist ausgebleicht und würde ohne das geografisch eingegliederte Australien gar noch schlechter aussehen.

Während nämlich Japan (WM-Gruppenletzter) und Südkorea (Gruppenletzter) nicht nur an den hohen Erwartungen gemessen kläglich versagten und der mittellose Iran (das als 51. derzeit beste asiatische Team der FIFA-Weltrangliste; Gruppenletzter) sich damit zufriedengab, sich nicht zu blamieren, dürfen die Ozzies (Gruppenletzter) sich immerhin damit rühmen, einer übermächtigen Gruppe (Niederlande, Chile, Spanien) einen guten Fight geliefert zu haben.

Die üblichen Favoriten

Nicht zuletzt deshalb gelten die Gastgeber auch als einer der Favoriten auf den Titel. Das Publikum soll das hungrige, kompakte Team zu Höchstleistungen treiben – einen Schritt weiter als 2011, als man im Finale nach Verlängerung gegen Japan verlor. Dort wiederum wäre die individuelle Qualität natürlich höher.

Die blauen Samurai sind nicht abzuschreiben. Die 2011 mit technisch und taktisch hochwertigem Fußball so begeisternd aufspielende Mannschaft wirkte in Brasilien aber trotz guter eigener Liga und Europa-Legionären rund um Star Shinji Kagawa wie eine, die allmählich eine Frischzellenkur benötigt. Dass das für den fünften kontinentalen Titel nicht trotzdem genügt, heißt das aber nicht.

Der Weg könnte diesmal jedoch vor allem über Südkorea führen. Dort hat man zwar bei der WM die völlig falsche, weil für das Spielermaterial viel zu passive Richtung eingeschlagen, dem seither neu eingesetzten deutschen Coach Uli Stielike steht aber das vielleicht beste Personal zur Verfügung. Zahlreiche Spieler agieren auch hier in Europa – wie zum Beispiel Son Heung-Min (Leverkusen) und Park Joo-Ho (Mainz).

Klare Verhältnisse zu erwarten

Diese drei Teams mussten übrigens als Top 3 des Asien-Cups 2011 nicht durch die Qualifikation. 13 andere schon. Elf davon spielten die reguläre Qualifikation. Mit Palästina und Nordkorea kommen außerdem die zwei Gewinner des AFC-Challenge-Cups 2012 und 2014 hinzu. Der ist eine asiatische Eigenart; ein Bewerb für schlechtere Nationen, der seit einigen Jahren seine Sieger zur Teilnahme am Asien-Cup berechtigt.

Der Endrundenmodus wird in der ersten Turnierphase wenige echte Sensationen zulassen. Vier Gruppen bringen acht Aufsteiger in die K.-o.-Phase hervor. Innerhalb der Gruppen ist das sportliche Gefälle ziemlich stark.

In der Gruppe A sind mit Australien und Südkorea eben zwei absolute Favoriten vertreten. Für den Oman ist das nach einer guten Qualifikation Pech, Kuwait darf sich ohnehin keine Chancen ausrechnen.

In Gruppe B rittert das in den letzten Jahren durchaus ordentlich spielende Usbekistan als Favorit mit den im eigenen, gut finanzierten Ligasaft schmorenden Ex-Riesen Saudi-Arabien und Pseudo-Riesen China um den Aufstieg. Topf-4-Team Nordkorea verliert nie hoch und hat ein paar recht respektable Ergebnisse in der Jugendarbeit vorzuweisen, hat aber bei den Erwachsenen seit Jahren kein Spiel gegen einen ernstzunehmenden Gegner gewonnen.

In Gruppe C setzt ein stark verjüngtes und bunt eingebürgertes Team von Katar erste Schritte in Richtung Heim-WM 2022, hat mit dem diszipliniert spielenden Außenseitertipp Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten aber zu schwere Gegner vor sich. In der Qualifikation blieb man außerdem noch hinter Gruppengegner Bahrain.

In Gruppe D führt an Titelverteidiger und Rekordsieger Japan kein Weg vorbei, Jordanien und der Irak (der immerhin Viertelfinalist 2011 und Asienmeister 2007 war) werden um Platz zwei spielen. Für Palästina ist die Debütteilnahme schon eine Sensation.

Indien und Österreich fehlen

Nicht einmal für den Challenge-Cup, dieses Turnier der zweiten Reihe, konnte sich 2014 Indien qualifizieren. Das Milliardenland sticht unter den Abwesenden bei der kommenden Endrunde natürlich hervor. Es wird am Subkontinent einfach noch immer kein guter Fußball gespielt.

Nicht mit dabei ist auch Alfred Riedl. Der österreichische Trainer ist mit Indonesien in der Qualifikation deutlich an der guten Gruppe mit China, Saudi-Arabien und dem Irak gescheitert. Auch andere österreichische Beiträge sucht mach vergebens. Kein teilnehmender Spieler verrichtet sein Tagwerk in der Bundesliga. Auch Australien kommt ohne Austria-Spieler James Holland aus, der bei der WM immerhin noch auf der Bank sitzen durfte.

Die Teilnehmerländer und Spielorte des Asien-Cups 2015.

Gespielt wird übrigens im Südosten des Gastgeberlandes. Melbourne, Sydney, Canberra, Newcastle und Brisbane stellen Stadien mit zwischen 25.000 und 84.000 Sitzen bereit. Die insgesamt 500.000 Tickets waren schon ab rund 13 Euro zu haben. Die Ankickzeiten sind zwischen 6 und 10 Uhr vormittags (MEZ), Eurosport 2 überträgt live. Am Freitag (10 Uhr) eröffnet Australien gegen Kuwait das Fußballfest. (Tom Schaffer, derStandard.at, 8.1.2015)

  • Japan ist Titelverteidiger und nach einer schwachen WM auf Wiedergutmachung aus.
    foto: ap

    Japan ist Titelverteidiger und nach einer schwachen WM auf Wiedergutmachung aus.

Share if you care.