Draußen sein ... mit der richtigen Backcountry- und Lawinensicherheits - Ausbildung

11. Jänner 2015, 16:26
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Hightech-Equipment kann Laien in falscher Sicherheit wiegen

Manchmal muss man an Definitionen schrauben. Etwa der, dass das eine auf Produkte fokussierte Zone ist. Andererseits ist – ums Eck gedacht – Know-how ja ein "imaterielles Gut". Und schon sind wir dort, wo ich hinwill: bei Lawinsicherheitstraining und Backcountry-Schulungen.

Denn eines ist klar: Notfall-Equipment (Bergretter und Hersteller sprechen lieber von "Notfall" als von "Sicherheit") ist am besten eingesetzt, wenn man es dabei hat – und unbenutzt wieder nach Hause bringt.

Das Tückische am Hightech-Zeug ist aber, dass es gerade Laien falsche Sicherheit suggeriert: "Ich hab ja eh LVS, Lawinenrucksack, Schaufel, Sonde, Erste-Hilfe-Set, Biwaksack, Trillerpfeife etc … mit." Na und? Fahren Sie mit dem Auto mit 180 km/h gegen die Wand – weil Sie "eh Fahrer- und Beifahrer-Airbags" haben?

foto: risk n fun/heli düringer

Ich weiß nicht, wie oft ich das Notfallprogramm schon geübt habe: Suchen, sondieren, schaufeln. Suchen, sondieren, schaufeln. Im Suchfeld. Neben der Piste. Im Gelände. Bei Schneesturm, Regen, Sonne: Je öfter ich übe, umso sicherer weiß ich:

  • Ich will das nie, nie, nie tatsächlich anwenden.

  • Ich muss besser werden. Schneller. Sicherer. Routinierter. Gedrillt – so sehr ich dieses Wort auch verabscheue: Weil schon in einer Übungssituation, in der einer schein-panisch alles extra NICHT so tut, wie es "eh logisch" wäre, Nerven in der Gruppe zu flattern beginnen. Da vergessen sehr viele sehr schnell sehr viel.
  • Drittens – und am wichtigsten: Vermeide die Katastrophe. Unter allen Umständen. Das geht nur durch Planung, Strategie und Situationen-Bewerten. Nicht beim Blick aus dem Fenster – immer wieder. An jedem Hang. An jeder Kuppe.
  • Mut heißt, manchmal Nein zu sagen. Auch wenn rundherum alle(s) "Juhu, Powder!" schreit.
foto: risk n fun/heli düringer

Das lernt man – wie das "Lesen" von Schnee, Wetter, Wind, Landkarten, Lawinenlageberichten oder lokaler Topografie – nicht in zehn Minuten. Nicht an einem Tag. Oder in einer Woche:

Ich habe vor 1000 Jahren bei "Risk'n'Fun" zu lernen begonnen. Und kann die Vorträge, Referate, Bücher, Präsentationen und Übungen seither nicht mehr zählen. Faszinierend dabei: Experten – Bergretter, Bergführer, Profifahrer (und natürlich immer auch -innen) – sind jedes Mal konzentriert. "Normalos" halten es oft für ein Spiel. Bloß: Das ist es halt nicht.

foto: saac

"Der Lawine ist es egal, ob du ein Experte bist oder nicht: Wenn du da bist, bist du weg," brachte es einer meiner Lehrer, der Stubaier Bergführer Patrick Ribis einmal auf den Punkt, als wir einen Traumhang liegen ließen: "Es ist ganz einfach: Der Berg ist heute so schön wie morgen. Er ist morgen auch noch da. Du auch?" (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 11.1.2015)

derstandard.at/von usslar
Bei Übungen wird gern und spielerisch demonstriert, was im Ernstfall alles andere als lustig ist: 2013 entdeckte Patrick Ribis – keine 20 Meter neben einer stark befahrenen Piste – einen Zugang zum Gletscher.
Bewusst und abgesichert ein spannender, lustiger und lehrreicher Besuch des Innenlebens eines Gletschers. Als "Unfall" – etwa weil man den gesicherten Pistenbereich verlässt, ohne zu wissen, worauf man sich da einlässt – eine tödliche Falle: Unser Einstiegsloch war binnen Minuten zugeweht.
Mehr dazu unter: Überlebensstrategien für Freerider

Hier eine - natürlich absolut unvollständige - Liste an Ausbildungs- und Trainingsmöglichkeiten:

Risk'n'Fun

Patrick Ribis' "Freeride Center Stubai"

SAAC

Naturfreunde

Österreichischer Alpenverein

Österreichischer Bergführerverband

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