Der Ölpreis fällt, weil der Euro fällt

Blog8. Jänner 2015, 11:52
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Da Rohstoffmärkte Währungsschwankungen teilweise ausgleichen, beziehen die USA keinen Vorteil aus der Dollarnotierung des Öls

Der fallende Ölpreis ist für heimische Autofahrer ein Glück, aber dennoch wird so mancher mit seinem Schicksal hadern: Weil gleichzeitig der Eurokurs fällt und Öl in Dollar gehandelt wird, kommen sie – anders als Amerikaner – nur in den halben Genuss des billigen Sprits. Wäre das Öl doch in Euro gehandelt, denken sich einige, dann wäre das Tanken jetzt noch günstiger.

Das ist ein Fehlschluss. Die Euroschwäche beschleunigt nämlich den Verfall des Ölpreises, denn die Preise von weltweit gehandelten Rohstoffen passen sich ständig an die Währungsrelationen an. Die USA beziehen keinen Vorteil daraus, dass Öl (oder Gold oder Kupfer) in US-Dollar gehandelt wird. Der Preis für Öl in Chicago und Wien wäre genau gleich, wenn der Euro die weltweite Ölhandelswährung wäre.

Dollarnotierung ist eine Konvention

Die Dollarquotierung von Öl ist eine reine Konvention. In Wirklichkeit richtet sich der Ölpreis nach einem handelsgewichteten Korb aller weltweit verwendeten Währungen und wird dann in Dollar ausgedrückt. Genauso gut könnte das in Euro, Yen oder Pfund – in jeder ohne staatliche Eingriffe frei gehandelten Währung – geschehen.

Wenn der Euro gegenüber dem Dollar fällt, dann stellt das eine echte Veränderung der weltweit wichtigsten Währungsrelationen dar, derzeit getrieben von Zinserwartungen (in den USA hinauf, in der Eurozone hinunter) und der Sorge vor einer neuen Griechenland-Krise. Europas Exporte werden günstiger, Importe (auch von Öl) dafür teurer. In den USA ist es umgekehrt.

Aber diese Verschiebung sollte Öl weltweit im Durchschnitt nicht teurer machen, weil sie das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nicht verändert. Deshalb reagiert der Ölmarkt auf einen steigenden Dollar mit einem leichten Preisrückgang, der den Verbilligungseffekt in den USA und anderen Dollarmärkten noch verstärkt, die Verteuerung in Europa aber wieder etwas dämpft. Für Ölproduzenten, die ihre Einnahmen in Dollar oder Euro anlegen können, ändert sich gar nichts.

Ölpreis berührt den Eurokurs nicht

Umgekehrt ist der fallende Ölpreis kein Grund für einen schwächeren Euro, auch wenn das manchmal (wie am Donnerstag im Ö1-"Morgenjournal") behauptet wird. Wenn überhaupt, dann sollte billigeres Öl der Eurozone mehr nützen als den USA, weil Europa der viel größere Ölimporteur ist, und den Euro daher etwas stärken. Aber dieser Effekt ist minimal.

Derzeit ergänzen Ölmarkt und Wechselkurse einander auf eine Weise, die dazu führt, dass die Eurozone geringere Schwankungen beim Ölpreis erlebt als die USA (siehe Grafik). Ein andermal kann das umgekehrt sein, etwa wenn der Ölpreis steigt und der Eurokurs fällt.

In welcher Währung man den Ölpreis berechnet, notiert und handelt, ist egal. Deshalb sind auch die Drohungen aus Ländern wie Iran, Venezuela und Russland, den Ölhandel von US-Dollar auf eine andere Währung umzustellen, ohne Wert. (Eric Frey, derStandard.at, 8.1.2015)

  • Die Ölpreis-Schwankungen im der Eurozone sind derzeit geringer als in den USA – aber nicht immer.
    foto: apa

    Die Ölpreis-Schwankungen im der Eurozone sind derzeit geringer als in den USA – aber nicht immer.

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