Nahe Neunjahrestief: Euro taucht weiter ab

8. Jänner 2015, 13:44
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Aussicht auf neuerliche Lockerung der EZB-Geldpolitik lässt Währung wieder trudeln

Frankfurt - Die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik im Euroraum hat der Gemeinschaftswährung am Donnerstag erneut zugesetzt. Bis zum Mittag verlor die Gemeinschaftswährung weiter Boden und notierte mit 1,1763 Dollar so niedrig wie zuletzt am 9. Dezember 2005. Vermutlich wolle der Markt die psychologisch wichtige Marke von 1,17 Dollar testen, sagte ein Händler. Danach könnte die Währung rasch auf das Tief von 2005 von 1,1638 Dollar fallen. "Und dann wären Kurse von 1,15 oder 1,12 Dollar schnell möglich."

Die Spanne von 1,17 bis 1,18 Dollar hat zudem symbolische Bedeutung: Bei der Einführung an den Finanzmärkten am 1. Januar 1999 war der Euro mit 1,1747 Dollar in den Handel gestartet, ehe er allerdings bald darauf unter einen Dollar rutschte.

Nach der Talfahrt vom Vortag konnte sich der Euro nach Bekanntwerden der Sitzungsprotokolle der US-Notenbank Federal Reserve zwischenzeitlich stabilisieren. Die schwachen Industriedaten aus Deutschland drückten die Gemeinschaftswährung am Donnerstag aber wieder nach unten. Die deutschen Industrieaufträge schrumpften um 2,4 Prozent gegenüber dem Vormonat, teilte das deutsche Wirtschaftsministerium mit. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang um 0,7 Prozent gerechnet. Immer mehr Investoren setzen darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Ankauf von Staatsanleihen versuchen wird, Deflationsgefahren in der Eurozone entgegenzuwirken.

Abwärtsspirale in Eurozone gesunken

Die jüngsten Daten schüren zunehmend die Sorgen vor einem Preisverfall: So sanken die Lebenshaltungskosten in der Eurozone im Dezember gegenüber dem Vorjahr um 0,2 Prozent. Die Preise in der Eurozone sind damit erstmals seit mehr als fünf Jahren gefallen.

Im Falle einer Deflation auf breiter Front konsumieren Verbraucher weniger, weil sie erwarten, Produkte bald noch billiger zu bekommen. Unternehmen verdienen in der Folge auch weniger und kürzen ihre Investitionen – es entsteht eine Abwärtsspirale, die nur schwer zu stoppen ist. Für die ohnehin angeschlagene Wirtschaft in der Eurozone könnte das eine weitere Schwächung bedeuten. Einige Marktbeobachter gehen davon aus, dass die EZB bereits auf ihrer Sitzung am 22. Jänner weitere unkonventionelle Maßnahmen beschließen könnte.

Zusätzlich belastet wird der Euro durch den Kurs der US-Notenbank: Hier bahnt sich schon recht lange eine Straffung der ultralockeren Geldpolitik an, was den Dollar für Anleger attraktiver macht. Wie aus den am Mittwochabend veröffentlichten Protokollen der Fed hervorgeht, hat sie es mit der erwarteten Zinserhöhung allerdings nicht eilig. Experten rechnen erst für die Jahresmitte damit. Es wäre die erste Anhebung nach sechs Jahren ultralockerer Geldpolitik. (Reuters, red, 8.1.2015)

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