Empörung in Australien: Fotodrohne hatte nackte Badende im Visier

8. Jänner 2015, 05:30
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Nach mehreren Zwischenfällen wird über das weltweit strengste Gesetz zur privaten Verwendung von Flugobjekten mit Kameras diskutiert

Canberra - Mandy Lingard hatte den Schrecken ihres Lebens: Als sie in Melbourne vor einem Nachbarhaus am Verkaufsschild eines Immobilienhändlers vorbeischlenderte, sah sie – auf einer großen Luftaufnahme – sich selbst. Und zwar in ihrem eigenen Garten liegend, mit G-String-Bikini und "oben ohne". Tage zuvor war ein kleines Flugobjekt über ihrem Garten geschwebt. "Ich dachte, es sei ein Kinderspielzeug", sagte Lingard gegenüber einer Tageszeitung.

Es war eine Drohne, ausgerüstet mit einer Hochleistungskamera und aus der Distanz gesteuert von einem Immobilienagenten. Dieser verteidigte in den Medien seine Praxis, Verkaufsobjekte aus der Luft zu fotografieren und die Bilder für Werbung zu verwenden. Mandy Lingard forderte strikte Regeln für den Einsatz von Drohnen.

Keine Rücksicht auf Geschäft

Die australische Regierung will nun genau das tun. Beamte arbeiten derzeit an den wohl "strengsten Gesetzen zur privaten Verwendung von Drohnen auf der Welt", wie es in Kreisen in Canberra heißt.

Ein Importeur in der Nähe von Sydney fürchtet, der stark wachsende Markt für Hobbydrohnen könnte dadurch "nachhaltig gedämpft" werden. Für solche Bedenken hat der Staat wenig Verständnis. "Die Bestimmungen müssen aktualisiert werden", macht der Sprecher der Flugaufsichtsbehörde Casa klar.

Für kommerzielle Nutzer wie Polizei, Feuerbehörden und Luftfotografen sind die gesetzlichen Vorschriften schon heute strikter als in vielen vergleichbaren Ländern. Rund 180 Betreiber brauchen in Australien eine Fluglizenz von Casa, um ihre technisch hoch entwickelten Geräte einsetzen zu dürfen. Im Jahr 2013 lag die Zahl der kommerziellen Drohnen-Flieger noch bei knapp 30.

Die Verwendung der Maschinen durch private Nutzer oder Firmen, die sie wie der Immobilienhändler für Marketingzwecke brauchen, habe in derselben Zeit enorm zugenommen, erklären die Behörden. Wer die bestehenden, laut Casa zu schwachen Regeln verletzt und beispielsweise über Menschenansammlungen fliegt, kommt bisher mit einer geringen Strafe davon. Dank des Imports billiger Drohnen kann heute fast jedes Kind eine solche Maschine kaufen und steuern.

Nackte Badende

Es sind jedoch selten Kinder, die Probleme verursachen. Ein Mann wurde mit ein paar hundert Euro Buße belegt, weil er seine Drohne an einem Strand über nackte Badende geflogen und diese gefilmt hatte. Ein anderer bezahlte ein paar hundert Euro Strafe, als er sein Gerät über die Szene einer Geiselnahme steuerte. Das mit vier Propellern versehene Gerät kollidierte mit einem Stromkabel, stürzte ab und verfehlte nur knapp einen Polizisten.

Im Juni letzten Jahres kollidierte eine Drohne beinahe mit einem Rettungshubschrauber - in 300 Metern Höhe. Ein Feuerlöschhelikopter musste bei einem Waldbrand nahe Sydney seinen Einsatz abbrechen, weil ihm plötzlich eine Drohne entgegengeflogen war. "Die besseren Geräte können bis zu 600 Meter hoch fliegen", wo sie mit kommerziellen Fluggeräten zusammenprallen könnten, warnt Casa-Sprecher Peter Gibson.

Die Behörde hat inzwischen erreicht, dass der führende chinesische Drohnenhersteller DJI Phantom schriftliche Richtlinien in die Verpackung legt, bevor die Geräte nach Australien exportiert werden dürfen. (Urs Wälterlin aus Canberra, DER STANDARD, 8.1.2015)

  • Fotodrohnen beziehungsweise nicht genehmigte Aufnahmen aus den fliegenden Kisten sorgen immer öfter für Aufregung.
    foto: apa/pleu

    Fotodrohnen beziehungsweise nicht genehmigte Aufnahmen aus den fliegenden Kisten sorgen immer öfter für Aufregung.

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