Wo Kohle, Öl und Gas im Boden bleiben müssen 

7. Jänner 2015, 19:07
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Im Kampf gegen die Erderwärmung müsste bis 2050 auf den Abbau des Großteils der fossilen Brennstoffe verzichtet werden, meinen britische Forscher

London/Wien - Um die Folgen des Klimawandels noch einigermaßen im Zaum zu halten, hat sich die internationale Gemeinschaft darauf geeinigt, die globale durchschnittliche Erwärmung nicht über zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Wert steigen zu lassen. Damit auch nur eine 50-prozentige Chance besteht, dass dies gelingt, dürfte ein Großteil der fossilen Brennstoffe erst gar nicht gefördert werden: Wie britische Wissenschafter nun vorrechnen, müssten in den kommenden 40 Jahren ein Drittel aller bekannten Öllagerstätten, die Hälfte aller Erdgasreserven und 80 Prozent der Kohlevorräte für die nächsten Jahrzehnte im Boden bleiben.

Vergleichbare Studien kamen in der Vergangenheit zu ähnlichen Schlüssen, doch die nun im Fachjournal "Nature" veröffentlichte Untersuchung beschreibt erstmals, welche Lagerstätten bis 2050 konkret unangetastet bleiben sollten: So dürfte etwa der überwiegende Großteil der Kohlereserven in China, Russland, Australien und den USA nicht gefördert werden. Im Nahen Osten müssten rund die Hälfte der wirtschaftlich förderbaren Öllager und 60 Prozent der Erdgasvorräte unangezapft bleiben. Lagerstätten in der Arktis sollten demnach generell unberührt bleiben, unkonventionelle Gasfördermethoden wie etwa die Ausbeutung von Schiefergas müssten erheblich eingeschränkt werden.

Für ihre Analyse entwickelten die Forscher rund um Christophe McGlade vom University College London eine neue Methode zur Bewertung der Menge und geografischen Lage von fossilen Energieträgern. Auf dieser Basis errechneten die Wissenschafter, welche Ressourcen bis zur Jahrhundertmitte ausgebeutet werden dürften, um den Energiehunger der Welt ausreichend stillen zu können.

Eine Frage der Entschädigung

Problematisch wäre ein Verzicht auf die Förderung fossiler Bodenschätze vor allem für Entwicklungsländer. Michael Jakob vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung betont deshalb, dass eine erfolgreiche Klimapolitik letztlich eine Frage der Entschädigung sei. Nur ein globales Klimaübereinkommen, das Verlierer entschädige, könne auf lange Sicht die Nutzung fossiler Energieträger streng begrenzen, schreibt Jakob in einem Kommentar zu der Studie, der ebenfalls in "Nature" erschienen ist. (Thomas Bergmayr, DER STANDARD, 08.01.2015)

  • Will man die anvisierte Zwei-Grad-Celsius-Grenze bis 2050 auch nur halbwegs einhalten, muss auf die Ausbeutung eines Großteils der weltweiten Lagerstätten fossiler Brennstoffe verzichtet werden. Vor allem die Kohleförderung in China, Russland, Australien und den USA sind davon betroffen.
    foto: reuters/china daily

    Will man die anvisierte Zwei-Grad-Celsius-Grenze bis 2050 auch nur halbwegs einhalten, muss auf die Ausbeutung eines Großteils der weltweiten Lagerstätten fossiler Brennstoffe verzichtet werden. Vor allem die Kohleförderung in China, Russland, Australien und den USA sind davon betroffen.

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