Deflation in der Eurozone: Draghis letzter Pfeil

Kommentar7. Jänner 2015, 17:42
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Der Preisverfall im Dezember ist kein Krisenzeichen

Seit Monaten wird EZB-Präsident Mario Draghi ständig aufgefordert, dem Vorbild der amerikanischen und japanischen Notenbanken zu folgen und durch den Aufkauf von Staatsanleihen neues Geld zu drucken. Der jüngste Bericht über die negative Preisentwicklung in der Eurozone wird diesen Druck weiter erhöhen.

Doch Draghi täte gut daran, diesen letzten spitzen Pfeil bei der kommenden EZB-Sitzung im Köcher zu belassen. Der Preisverfall im Dezember ist kein Krisenzeichen, denn seine Hauptursache ist das billige Öl. Das erhöht die Kaufkraft der Haushalte und belebt die Konjunktur.

Wohl befinden sich Griechenland und Spanien in einer klassischen Deflationsspirale, bei der sinkende Preise die Nachfrage weiter schwächen. Aber die EZB muss ihre Geldpolitik nach den Bedürfnissen der gesamten Eurozone ausrichten. Und dort ist eine anhaltende Deflation zwar weiterhin eine Gefahr, aber noch nicht Realität.

Auch der fallende Eurokurs gibt keinen Grund zur Sorge, denn er erleichtert Exporte und trägt so zu mehr Wachstum bei. Und wenn dabei Importe teurer werden, dann trägt das wiederum zu einer höheren Inflationsrate bei.

Draghi kann daher noch ruhig warten. Sollten die Preise im Frühjahr weiter fallen, auch wenn sich der Ölpreis stabilisiert hat, dann wäre der Zeitpunkt für eine weitere Lockerung der Geldpolitik gekommen. Dieses Pulver sollte die Notenbank nicht vorzeitig verschießen. (Eric Frey, DER STANDARD, 8.1.2015)

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