Wirtschaftskammer: Sonderpensionen bleiben noch lange Belastung

7. Jänner 2015, 17:39
236 Postings

Grüne: Allein heuer 55 Millionen Euro aus laufenden Budgets für Altverträge

Wien – Alte Ansprüche auf Sonderpensionen werden die Wirtschaftskammer noch jahrzehntelang beschäftigen. Wie berichtet will man sich nun ab 2016 einen kleinen Beitrag von jenen Altpensionisten holen, die vor 1992 in die Kammer eingetreten sind und deren Pension über 7.500 Euro im Monat liegt.

In den Altverträgen gibt es fixe Pensionszusagen (70 bis 80 Prozent des Letztbezugs) und jährliche Steigerungen. Auf einen Teil der Steigerung (zwischen 0,1 und einem Prozent) müssen die Betroffenen nun in den kommenden zehn Jahren verzichten. Gleichzeitig müssen auch alle Aktiven, die mehr als 7.500 Euro verdienen, einen derartigen Beitrag leisten. Über eine Dekade will man sich so rund 30 Millionen Euro von den Betroffenen holen, die in die überbetriebliche Pensionskasse umgeschichtet werden.

Belastung bleibt

Eine finanzielle Belastung bleiben die Altpensionen dennoch. Volker Plass von der Grünen Wirtschaft verweist darauf, dass allein im heurigen Jahr rund 55 Millionen Euro (Bundes- plus Landeskammern) aus den laufenden Budgets für die älteren Jahrgänge aufgewendet werden müssen. Allein im Budgetvoranschlag der Bundeswirtschaftskammer sind 28,5 Millionen unter dem Titel "Pensionsfondsbeiträge" eingeplant. Ein Teil davon wird ausgeschüttet, ein Teil fließt in Rücklagen.

An Komplexität mangelt es beim Altsystem nicht. Grundsätzlich wurde dafür ein Pensionsfonds eingerichtet, der aber nicht ausreichend dotiert ist, um die Ansprüche der gut 1.300 Bezugsberechtigten tatsächlich abzudecken. Daher muss laufend nachgeschossen werden.

Hohe Renditeannahme

Dazu kommt, dass für den Fonds die Annahme getroffen wurde, er könne eine durchschnittliche Rendite von 7,5 Prozent pro Jahr erwirtschaften. Davon ist man freilich weit entfernt. Im Schnitt der Jahre 2005 bis 2013 lag sie laut Gebarungsbericht bei nur 1,9 Prozent.

Es sei daher vollkommen unklar, wie hoch die langfristigen Belastungen tatsächlich seien, kritisiert Plass. Angesichts der durchschnittlichen Lebenserwartung sei davon auszugehen, dass das System noch bis zum Jahr 2050 laufe. "Christoph Leitl hat das Problem zwar geerbt, ich werfe ihm aber vor, nicht für Transparenz bei der Behebung zu sorgen."

Laut Plass gibt es noch ein weiteres "Damoklesschwert", wie er es nennt. Die Wirtschaftskammer steht bei den Sonderpensionisten für die Differenz zwischen der ASVG-Pension und 70 bis 80 Prozent des Letztbezuges (je nach Vertrag) gerade. Sollten also, wie schon passiert, die höheren ASVG-Pensionen nur geringfügig steigen, würde die Nachschusspflicht der Kammer steigen.

Kleine Hilfe

Nur eine kleine Hilfe für die Kammer sind die im Parlament beschlossenen Eingriffe bei Sonderpensionen über 4.500 Euro, die mit 1. Jänner in Kraft traten. Laut dem stellvertretenden Generalsekretär Herwig Höllinger werden dadurch etwa 0,7 Millionen Euro eingenommen. Diese Mittel werden wiederum zur Absicherung des Pensionsfonds verwendet. (Günther Oswald, DER STANDARD, 8.1.2015)

  • Derzeit gibt es noch rund 1.300 frühere Mitarbeiter der Wirtschaftskammer, die Anspruch auf eine Altpension haben.
    foto: cremer

    Derzeit gibt es noch rund 1.300 frühere Mitarbeiter der Wirtschaftskammer, die Anspruch auf eine Altpension haben.

Share if you care.