Islam in Europa

Einserkastl7. Jänner 2015, 19:24
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Wenn es sich um Satire einer politisch verstandenen Religion handelt, dann muss das zulässig sein

Mit größter Wahrscheinlichkeit wird der Anschlag auf die französische Satirezeitung Charlie Hebdo in der breiten öffentlichen Meinung dem Islam an sich und nicht irgendwelchen Extremisten angelastet werden. Wenn mit dem Ruf "Wir haben den Propheten gerächt" ein Dutzend Menschen in einer Redaktion niedergemetzelt wird, die Mohammed-Karikaturen veröffentlichte, dann werden solche Schlüsse gezogen.

Sie sind nicht richtig. Richtig ist aber wohl, dass den allermeisten Muslimen jedes Verständnis für eine satirische, ironische oder lächerlichmachende Auseinandersetzung mit der Zentralfigur der eigenen Religion fehlt. Sie können nicht verstehen, dass "der Westen" derlei bei der eigenen, christlichen Religion und bei Religionen überhaupt zulässt, wenn auch in Grenzen. Verhetzung und Verächtlichmachung ist fast überall im Westen verboten. Aber wenn diese Grenze nicht überschritten wird, wenn es sich um Satire einer politisch verstandenen Religion handelt, dann muss das zulässig sein.

Hier tut sich ein Graben zwischen der europäischen Moderne mit ihrer Säkularisierung und einem Islam auf, der sich großteils als integrale, alle Lebensbereiche umfassende Religion versteht.

Der bekannteste französische Imam hat die Morde scharf verurteilt. Es bleibt zu hoffen, dass ihm eine Mehrheit seiner Gläubigen darin auch tatsächlich folgt. Das ist die längerfristige Frage zum Leben der Muslime in Europa. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 8.1.2015)

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