VÖZ und ROG zu "Charlie Hebdo"-Attentat: "Schwarzer Tag für Europas Pressefreiheit"

7. Jänner 2015, 15:38
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Heimischer Verlegerverband "schockiert" - Journalistengewerkschaft: "Es wird immer gefährlicher, kritische Meinungen zu veröffentlichen"

Paris/Wien - "Schockiert" zeigte sich Thomas Kralinger, Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ), über den Anschlag auf das Satireblatt "Charlie Hebdo". "Wer Journalisten tötet, zielt auf das Herz der Demokratie", so Kralinger in einer Aussendung. "Wenn Medienmitarbeiter um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie ihrem Job nachkommen und Kritik äußern, ist die Freiheit der Gesellschaft in Gefahr."

Die Antwort auf "missliebige Berichterstattung" könne dem VÖZ-Präsident zufolge "niemals Gewalt" sein. "Bei unseren Appellen für mehr Pressefreiheit dachten wir meist zuerst an junge Demokratien oder diktatorische Regime, nun sterben Journalisten in der Mitte Europas. Heute ist ein schwarzer Tag für die europäische Pressefreiheit", betonte Kralinger angesichts der Attacke auf das französische Medium, bei der mehrere Menschen ums Leben gekommen sind.

Journalistengewerkschaft: "Es wird immer gefährlicher, kritische Meinungen zu veröffentlichen"

Auch Franz C. Bauer, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft in der GPA-djp, fand gegenüber der APA deutliche Worte: "In den vergangenen Jahren war zu beobachten, dass der Druck auf kritische Medien zunimmt." Dies geschehe einerseits aus "verschiedenen politischen Richtungen", aber auch aus "religiösen Motiven". "Es wird immer gefährlicher, kritische Meinungen zu veröffentlichen, was ein größeres Maß an Mut von Journalisten erfordert." Das Kuratorium für Journalistenausbildung zeigte sich via Twitter "entsetzt über diesen Anschlag auf die Pressefreiheit".

Das Komitee zum Schutze der Journalisten (CPJ) hat den Pariser Anschlag auf das islamkritische Satireblatt scharf kritisiert. "Das ist mitten im Herzen Europas ein schamloser Angriff auf die Pressefreiheit", sagte CPJ-Vize Robert Mahoney am Mittwoch in New York. "Das Ausmaß der Gewalt ist entsetzlich. Journalisten müssen jetzt zusammenstehen, um eine klare Botschaft auszusenden: Solche Mordanschläge werden uns nicht zum Schweigen bringen."

"Barbarischer Akt"

Einen "barbarischen Akt der Gewalt gegen Journalisten und die Medienfreiheit" ortete unterdessen die europäische Journalistenvereinigung (EFJ). Deren Präsident, Mogens Blicher Bjerregaard, werde nach Paris reisen, um den Opfern seine Ehre zu erweisen. Als "Anschlag auf das Grundrecht der Presse- und Meinungsfreiheit" bezeichnete der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, nach DJV-Angaben am Mittwoch in Bonn die Attacke. Er sprach den Toten das Beileid aller DJV-Mitglieder aus.

Vom Anschlag nicht in seiner Arbeit beeinflussen lassen will sich unterdessen das deutsche Satiremagazin "Titanic". "Wenn ein Thema für uns wichtig ist und wir die Witze lustig finden, drucken wir das", sagte dessen Chefredakteur Tim Wolff dem "Wiesbadener Kurier" (Donnerstagsausgabe). Er wies darauf hin, dass auch "Titanic" schon Mohammed-Karikaturen nachgedruckt habe. Wolff nannte es allerdings "beunruhigend", dass Menschen glaubten, sich gegen Wort und Bild mit Waffengewalt wehren zu müssen. Das Satiremagazin reagiert mit einem "Liveticker in eigener Sache". "Langsam verfestigt sich redaktionsintern die Meinung, daß Mord 'eher nicht so gut' wäre, Anschläge auf Satiremagazine 'unangenehm'", heißt es dort.

ROG gegen Einschüchterungen von Medien

Bestürzt zeigt sich auch Reporter ohne Grenzen (ROG): "Dieser brutale Terroranschlag markiert einen schwarzen Tag für die Pressefreiheit in Europa. Alle unsere Gedanken sind bei den Getöteten, Verletzten und Hinterbliebenen", sagte ROG-Österreich Präsidentin Rubina Möhring. "Regierungen und Öffentlichkeit müssen nun alles in ihrer Macht Stehende tun, um zu verhindern, dass sich Journalisten und Medien durch diese schockierende Tat einschüchtern lassen." (APA/red, 7.1.2015, Update: 8.1.2015))

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