Ärztegewerkschaft auf Zielgerade

7. Jänner 2015, 20:32
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Ärzte fühlen sich nicht optimal vertreten und gründen eigene Vertretung Asklepios

Seit 1. Jänner 2015 dürfen Ärzte in Österreich nur noch 48 Stunden pro Woche arbeiten. Weniger Nacht- und Wochenenddienste bedeuten aber auch weniger Geld. In Wien sind die Verhandlungen über ein höheres ärztliches Grundgehalt, wie es von den Medizinern gefordert wird, aber noch nicht abgeschlossen.

Das sorgt bei den Ärzten für Verärgerung, vor allem Angestellte des Wiener Krankenanstaltenverband (KAV) fühlen sich von der zuständigen Gewerkschaft der Gemeindebediensteten nicht ausreichend vertreten. Für Gernot Rainer, Lungenfacharzt am Otto Wagner Spital, war die "große Frustration" unter den Kollegen Anlass, die freie Gewerkschaft Asklepios zu gründen. Am Freitag wird er notwendigen Unterlagen bei der Behörde einreichen. Wichtigste Forderung ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Spitalsärzte, also die Einhaltung der 48 Stunden Woche und die Erhöhung des ärztlichen Grundgehalts.

AKH: Neue Verhandlungsrunde angekündigt

Keine Notwendigkeit für eine eigene Gewerkschaft sieht Christian Meidlinger, Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten und SPÖ-Gemeinderat in Wien. In einer Aussendung verweist er darauf, dass die Gewerkschaft gemeinsam mit der Ärztekammer verhandle. Die Ärzteschaft solle gemeinsam "an einem Strang ziehen".

Gernot Rainer will dennoch seine Gewerkschaft gründen. Er findet es "suboptimal", dass ein SPÖ-Gemeinderat mit der zuständigen Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) und dem KAV verhandle und vermutet "politische Verstrickungen".

Unzufriedenheit herrscht auch im Wiener AKH. Auch wenn der Betrieb aufrechterhalten werden kann, sei es eine "kritische Situation", sagt Betriebsrat Martin Andreas. Die Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Rektorat Ende Dezember waren gescheitert, nachdem das Rektorat nur dazu bereit war, das Gehalt der Assistenzärzte zu erhöhen, nicht aber das Gehalt aller Ärzte. Schließlich wurde auch dieses Angebot zurückgezogen und neue Berechnungen angekündigt. Nächste Woche soll eine Verhandlungsrunde zwischen Rektorat, Ärztekammer und Wissenschaftsministerium stattfinden. (mte, derStandard.at, 7.1.2015)

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