"Charlie Hebdo", ein Satireblatt mit Skandaltradition

7. Jänner 2015, 17:34
139 Postings

Zeitschrift nimmt in Karikaturen Politik und religiöse Fanatiker aufs Korn

Paris – Das französische Satireblatt "Charlie Hebdo" sorgt seit Jahren immer wieder für Skandale. Es nimmt regelmäßig mit derben Karikaturen radikale Ausprägungen der Religion aufs Korn.

Die Zeitschrift wurde 1969 als "Hara-Kiri Hebdo" gegründet, aber bereits nach einem Jahr verboten, weil sie über den Tod des Nationalhelden Charles de Gaulle gescherzt hatte. Die Redakteure benannten das Blatt darauf in Erinnerung an die Comicfigur Charlie Brown von den Peanuts in "Charlie Hebdo" um.

Die Redaktion mit rund 20 Mitarbeitern veröffentlichte bereits 2006 umstrittene Mohammed-Karikaturen. Im Jahr 2011 verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume in Paris.

foto: epa/maxppp/julien muguet

Zuvor hatte "Charlie Hebdo" zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien eine Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" herausgebracht. Auf der Titelseite droht der Prophet allen Lesern, die nicht vor Lachen sterben, hundert Peitschenhiebe an.

Im September 2012 sorgte "Charlie Hebdo" mit Mohammed-Karikaturen erneut für Aufsehen. Nach der Veröffentlichung mussten französische Einrichtungen in einigen Ländern aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen werden. Am 2. Jänner 2013 veröffentlichte "Charlie Hebdo" eine Comic-Biografie von Mohammed ("La vie de Mahomet"). Die Website des Magazins wurde daraufhin tagelang von Hackern gestört.

foto: epa/yoan valat

Autoren und Zeichner von "Charlie Hebdo" scheren sich nicht um Begriffe wie politische Korrektheit. Zu den Attackierten zählen Mächtige aus Politik und Wirtschaft genauso wie Sekten, Rechtsextreme und religiöse Eiferer.

So wurde Papst Benedikt XVI. in inniger Umarmung mit einem Mitglied der Schweizergarde karikiert und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy als grüngesichtiger Vampir dargestellt.

Das zwischen Ende 1981 und 1992 wegen Geldmangels eingestellte Blatt muss sich regelmäßig vor Gericht verantworten. "Charlie Hebdo" erscheint auf Zeitungspapier mit einer Auflage von in der Regel 75.000 Exemplaren. (red, APA, 7.1.2015)

Share if you care.