LDN 483 verschluckt das Sternenlicht

18. Jänner 2015, 17:17
9 Postings

Die 700 Lichtjahre entfernte Dunkelwolke hat es aber buchstäblich in sich: Sie gebiert neue Sterne

Heidelberg - Dunkelwolken sind Ansammlungen interstellarer Materie - Gas und Staub -, die wir nur dann erspähen können, wenn sie das Licht von Sternen, die sich hinter ihnen befinden, verdecken und sich uns dann wie Leerstellen im All präsentieren. Wie auf einem aktuellen Bild der Europäischen Südsternwarte (ESO) zu sehen, das die Dunkelwolke LDN 483 zeigt.

Ihre Bezeichnung hat die 700 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Schlange gelegene Wolke vom "Lynds Dark Nebula Catalogue" der US-amerikanischen Astronomin Beverly Turner Lynds, die diesen zusammengestellt und 1962 veröffentlicht hatte. Die aktuelle Aufnahme gelang mit dem Wide Field Imager am MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium in Chile, wie das Max-Planck-Institut für Astronomie berichtet.

Paradoxerweise sind solche vermeintlichen Leerstellen aber Orte angehender Fülle: Denn Dunkelwolken können mit der in ihnen geballten Materie, die sich in einzelnen Regionen verdichtet, die Geburtsstätten neuer Sterne sein. Auch im Inneren von LDN 483 haben Astronomen einige neu entstandene Sterne entdeckt, die zu den jüngsten Exemplaren gehören, die man überhaupt beobachten kann.

Die frühen Phasen eines Sternenlebens

Im ersten Stadium der stellaren Entwicklung ist der angehende Stern noch nicht mehr als ein rundes Gebilde aus Gas und Staub, das sich infolge seiner Schwerkraft innerhalb der umgebenden Molekülwolke zusammenzieht. Dieser Protostern ist mit einer Temperatur von nur etwa 23 Grad über dem absouten Nullpunkt noch sehr kalt und sendet deshalb nur Strahlung im langwelligen Submillimeterbereich des elektromagnetischen Spektrums aus. Doch im Kern des werdenden Sterns steigen Temperatur und Druck an.

Diese früheste Phase des Sternwachstums dauert lediglich wenige Tausend Jahre - nach astronomischen Maßstäben eine sehr kurze Zeit. In den darauffolgenden Phasen steigen Temperatur und Dichte des Protosterns im Laufe einiger Jahrmillionen an. Infolgedessen nimmt auch die Energie seiner Strahlung zu: Vom kalten, fernen Infrarot verschiebt sich das Maximum seiner Abstrahlung nach und nach über das nahe Infrarot bis zum sichtbaren Licht. Aus dem einst leuchtschwachen Protostern ist dann ein hell gleißend heller Stern geworden.

Die Zukunft

Wenn im Lauf der Zeit immer mehr Sterne aus den schwarzen Tiefen von LDN 483 auftauchen, wird sich die Dunkelwolke zunehmend auflösen und durchsichtig werden. Die gegenwärtig von ihr verdeckten Hintergrundsterne werden in einigen Millionen Jahren sichtbar - allerdings nicht besonders gut. Denn statt von der Wolke verdeckt, werden sie dann von den jungen Sternen, die sich aus der Wolke gebildet haben, überstrahlt werden. (red, derStandard.at, 18. 1. 2015)


Link
ESO

  • Wo man nichts sieht, da ist etwas: Die Dunkelwolke LDN 483 schafft die Illusion einer Leerstelle im All.
    foto: eso

    Wo man nichts sieht, da ist etwas: Die Dunkelwolke LDN 483 schafft die Illusion einer Leerstelle im All.

Share if you care.