Die weiße Karte sorgt für Diskussionen

7. Jänner 2015, 15:04
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ÖFB-Schiedsrichterboss Robert Sedlacek kann der Idee von UEFA-Präsident Platini einiges abgewinnen

Rote Karten, gelbe Karten. Weiße Karten? UEFA-Präsident Michel Platini hat seinen Vorschlag zur Einführung einer weiteren Sanktion im Fußball neuerlich zum Thema gemacht. Ziel der Aktion soll eine Eindämmung der Kritik von Spielerseite gegen die Schiedsrichter sein. Ist die Karte einmal gezückt, würde der betreffende Akteur zehn Minuten zum Zuschauen verdammt sein. "Die weiße Karte als Alternative könnte den Druck von gelben und roten Karten im Spiel mildern", sagte Platini dieser Tage in Dubai.

Pro und Kontra

Der Vorsitzende der ÖFB-Schiedsrichterkommission, Robert Sedlacek, steht dem Vorschlag grundsätzlich positiv gegenüber. "Ohne Test allerdings ist es schwer zu verifizieren, ob dies auch im Profibereich die gewünschte Wirkung hätte. Im Nachwuchsbereich gibt es Zeitstrafen in vielen Bundesländern seit vielen Jahren. Und hier funktionieren sie als erzieherische Maßnahme gut", sagt Sedlacek dem STANDARD. Allerdings bestehe auch die Gefahr des Aus- und Verkühlens, wenn ein schwitzender Spieler pausieren muss.

Generell gebe es noch viele offene Fragen, viele Pros und Kontras. Zum Beispiel: "Wie weit greift der Schiedsrichter damit ins Spiel ein?" Österreichs Schiedsrichterboss regt jedenfalls dazu an, die "gute Idee bis zum Ende" durchzudenken. Etwa für welche Vergehen eine Zeitstrafe überhaupt Sinn mache.

Auswirkungen

Nicht leicht abzuschätzen ist, wie sich diese Sanktion in der Praxis auswirken würde. Das kann auch Sedlacek nicht wirklich beurteilen: "Welchen Einfluss diese Einführung auf das Spiel hat, traue ich mich nicht zu sagen." Aber es könnte eine entscheidende Schwächung für ein Team sein, "wenn zum Beispiel das andere drängt oder wenn gleich zwei Spieler minutenlang rausmüssen", vermutet Sedlacek.

Eine abschreckende Wirkung auf die Akteure dürfte in jedem Fall außer Zweifel stehen. Gemecker oder auch theatralisches Getue nach einem Foul zum Zwecke des Zeitschindens könnte so wohl eingedämmt werden. "Ein Spieler würde es sich gut überlegen, ob er zehn Minuten vor Schluss den Schiedsrichter kritisiert, wenn er so sein Team in einer entscheidenden Phase schwächt." Ein Gelbe sei schließlich nicht immer gleich viel wert, sie werde nicht selten einfach in Kauf genommen. "Eine weiße Karte wäre wohl in einigen Fällen eine härtere Konsequenz."

Positive Signale aus Deutschland

Ähnlich wie Sedlacek steht auch der deutsche Schiedsrichterboss Herbert Fandel dem Vorschlag Platinis wohlwollend gegenüber. "Die Zeitstrafe, die es im deutschen Amateurbereich schon mal gab, hat damals erstklassig funktioniert", sagte Fandel in "Sport Bild Plus". Im Auftrag der FIFA hatte der DFB in der Saison 1978/79 die zehnminütige Zeitstrafe bei Amateurspielen als Pilotprojekt eingeführt. 1992 war damit wieder Schluss, ab dann wurde erstmals die gelb-rote Karte gezückt.

"Seuchenartige Ausmaße"

Platinis Vorschlag ist nicht neu. Der Europameister von 1984 hatte die Idee schon in seinem im Oktober erschienenen Buch "Parlons Football" erwähnt. Laut dem Franzosen hat der "Wahn", Entscheidungen des Schiedsrichters infrage zu stellen, "seuchenartige Ausmaße" angenommen. Dem wolle er gegensteuern, denn die Profis "sollen ein Vorbild für die Jungen sein". (Thomas Hirner, derStandard.at, 7.1.2015)

  • Österreichs Schiedsrichterboss Robert Sedlacek: "Im Nachwuchsbereich funktionieren Zeitstrafen als erzieherische Maßnahme gut."
    foto: apa/ neubauer

    Österreichs Schiedsrichterboss Robert Sedlacek: "Im Nachwuchsbereich funktionieren Zeitstrafen als erzieherische Maßnahme gut."

  • Noch ist die weiße Karte nicht im Einsatz. In Österreichs  Nachwuchsbereich gibt es Zeitstrafen, die allerdings mittels blauer Karten vollstreckt werden.
    foto: reuters/regis duvignau

    Noch ist die weiße Karte nicht im Einsatz. In Österreichs Nachwuchsbereich gibt es Zeitstrafen, die allerdings mittels blauer Karten vollstreckt werden.

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