Album der Woche: Githeads "Waiting for a Sign"

8. Jänner 2015, 17:05
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Die britische Band veröffentlicht ein atmosphärisches Meisterwerk

Den Weltruhm hat er sich mit Wire erarbeitet. In diesem nachhaltig einflussreichen Post-Punk-Quartett ist Colin Newman seit 1976 Gitarrist und einer der Sänger. Wire waren und sind ein strenger Orden, ihre Musik knapp und trocken, komprimiert und schnörkellos. Daraus entsteht eine Dynamik, die bis heute in atemberaubende Alben überführt wird.

Dazwischen gönnten sich Wire immer Lieder, die wie kleine Enklaven der Entspannung wirkten. Ein Kunstgriff, der wider die Verbiesterung arbeitete und gleichzeitig jene Stücke umso wuchtiger wirken ließ, für die die britische Formation die Schrauben wieder bis zum letzten japsenden Knirschen der Windung angezogen hat. Ihre Popsongs umgibt meist eine dunkle Atmosphäre, auf Alben wie The Ideal Copy (1987) wurde diese Kunst zur Meisterschaft gebracht.

Vor rund zehn Jahren gründete Newman die Band Githead. Mit der pflegt er genau jene dunklen Popstücke. Auch diese sind frei von unnötigem Beiwerk und eitlem Ornament. Newman und seine Mitstreiter, die er bei der dahin gegangenen israelischen Popband Minimal Compact rekrutierte – wer sich erinnert –, modellieren als Githead jene Popsongs, die bei Wire nur einen kleinen Teil ausmachen.

Kein Laptopschnarchen

Die gebotene Atmosphäre auf dem neuen Album Waiting for a Sign verleitet dazu, Githead in Nähe des Ambientbegriffs zu rücken. Das kann man tun, solange man damit nicht das öde vor sich hin wabernde Feng-Shui-Ohrenschmalz meint, mit dem sogenannte Laptopvirtuosen aus der Bezirksliga ihre Nachbarschaft sedieren.

Githead klingen vielmehr wie ein ruhendes Biest. Wie die Bestie nach einer ordentlich sättigenden Blutjause. Der Blick streift übers Tal, Zufriedenheit macht sich breit. Zeit, ein paar ausgeruhte Lieder zu geben, die in Summe ein kleines Meisterwerk ergeben, ein atmosphärisches Meisterwerk. Githead stellen Form vor Inhalt, die Klangästhetik diktiert die Ergebnisse, und diese sind von erhebender Schönheit. Es ist Wohlklang ohne Kitsch, Musik für Fahrten durch die Nacht, das Weichen in der Badewanne im Kerzenlicht und ähnliche Momente einsamer Hingabe. (flu, Rondo, DER STANDARD, 9.1.2015)

  • Githead: Waiting for a Sign (Swim/Trost)
    cover: swim

    Githead: Waiting for a Sign (Swim/Trost)

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