"Größter Kämpfer, den ich kenne": Wegbegleiter Wolfgang Ainetter über Kurt Kuch

7. Jänner 2015, 15:11
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Langjähriger Kollege und Chefredakteur von "News" erinnert an den "Mister Cool" und "kindischen Hund"

Ach, Kurt. Dein kluger Kopf wird mir furchtbar fehlen. Deine Ratschläge. Das gemeinsame Bier nach Redaktionsschluss. Deine Freundschaft auch.

Wir haben bei "News" fast zur selben Zeit begonnen, Du wenige Monate nach mir. Wenn man sich 18 Jahre kennt, muss man sich nichts vormachen.

Eine "Bombe" eine Stunde vor Andruck

Wie oft hast Du mich im Redaktionsalltag als Chefredakteur gerettet. Ich, der Schwitzer: "Mir fehlt noch eine Aufmacher-Story für die kommende "News"-Ausgabe." Du, völlig entspannt: "Aini, scheiß di net an. Ich habe drei Bälle in der Luft. Eine meiner Geschichten wird aufgehen." Manchmal bist Du mit einer "Bombe" erst eine Stunde vor Andruck gekommen. "Neues Cover", hast Du strahlend gesagt.

United Colors of Korruption

Du hast Skandale aufgedeckt, rote, schwarze, blaue, orange. United Colors of Korruption. Du warst der würdige Nachfolger Alfred Worms. Das Aushängeschild von "News". Du warst "News".

Ich will hier drei Geschichten über Dich erzählen, über Dich als Menschen.

1. Ein kindischer Hund

Der hochseriöse Aufdecker Kurt war im tiefsten Inneren ein kindischer Hund. Wenn Du Dich von Deinen Chemotherapien erholt hast, haben wir uns oft getroffen. Einmal hast Du mir an zwei Tagen Dein Burgenland gezeigt. "Überraschung", hast Du gesagt und bist mit mir zum Haus des Gas-Bonzen Simandl gefahren, einen der vielen Gauner, die Du zu Fall brachtest. Wir haben uns gegenseitig vor der Protzvilla fotografiert und gelacht wie vor 18 Jahren, als wir schlecht bezahlte Jungreporter waren. "Warum schickt der Fellner immer uns zu den Arschlochstorys?", fragte ich Dich 1996 im novemberdepressiven Rechnitz. "Weil wir für WoFe dumme Buben sind und immer bleiben werden", meintest Du kichernd.

2. Mister Cool

Du warst Mister Cool. Wenn Dir einer Deiner Feinde gedroht hat, bist Du zur Höchstform aufgelaufen. Nachdem Du einen Parteispendenskandal enthüllt hattest, schimpfte ein Spitzenpolitiker in einem Wiener Szenelokal: "Ich werde dafür sorgen, dass Kuch und Ainetter in drei Monaten bei 'News' Geschichte sind." Du sagtest stoisch: "Aini, glaub' mir, den überleben wir beide im Job." Du solltest recht behalten.

3. Der größte Kämpfer, den ich kenne

Du warst der größte Kämpfer, den ich kenne. Der Krebs war für Dich wie ein Skandal, den Du aufdeckst. Du wolltest immer gewinnen: gegen die Metastasen genauso wie gegen Korruptionsgeschwüre. Leidenschaft war das Prinzip Deines viel zu kurzen Lebens. Du hast es geschafft, zu einer Ikone der Nichtraucherbewegung zu werden.

"Hör bitte auf mit dem Scheiß"

Am 2. April hast Du mir am Telefon von Deiner Diagnose berichtet. Es war das erste Mal, dass ich Dich weinen hörte. Dann der eine Satz: "Aini, hör bitte auf mit dem Scheiß." Ich, Kettenraucher, habe seither nie wieder eine Zigarette angerührt.

Danke für alles, Kurt.

Wolfgang Ainetter (43) war bis zum Jahreswechsel Chefredakteur von "News", der bisher längstdienende seit Gründer Wolfgang Fellner. Er begann bei "News", war Nachrichten-Ressortchef bei "Bild" und Chefredakteur von "Heute".

Seine Erinnerungen an Kurt Kuch erscheinen auch im neuen "News". Das Magazin würdigt seinen stellvertretenden Chefredakteur, der in der Nacht auf Samstag an Lungenkrebs gestorben ist.

Nachlese: derStandard.at-Nachruf auf Kurt Kuch

  • "Abschied von Kurt Kuch": Das aktuelle "News"-Cover.

    "Abschied von Kurt Kuch": Das aktuelle "News"-Cover.

  • "News"-Aufdecker Kurt Kuch starb in der Nacht auf Samstag an Lungenkrebs.
    foto: apa/ricardo herrgott

    "News"-Aufdecker Kurt Kuch starb in der Nacht auf Samstag an Lungenkrebs.

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