Kanadische Antipirateriefirma bei Copyrightverstößen ertappt

7. Jänner 2015, 10:03
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Manager von Canipre kopierte Artikel diverser Medien auf eigene Website, teils ohne Quellenangabe

Diverse Firmen tummeln sich im Bereich der "Intellectual Property Protection". Sie bieten etwa Kopierschutzlösungen an, oder durchforsten im Auftrag ihrer Kunden das Netz nach Übeltätern, die sich an ihrem geistigen Eigentum ungefragt vergreifen. Eine solche Dienstleistung bietet auch das kanadische Unternehmen Canipre unter dem Titel "NetTrack Detect" seit kurzem an.

Doch Canipre könnte möglicherweise bald selbst Ziel von Unterlassungsaufforderungen oder anderen Maßnahmen werden. Wie Michael Geist, Rechtsprofessor an der University of Ottawa, herausgefunden hat, dürfte ein Manager der Firma bereits seit Monaten auf einer unternehmensnahen Website das Urheberrecht verletzen.

Vollständige Medienberichte übernommen

Konkret geht es um die Seite copyrightenforcement.ca. Betrieben wird sie von Barry Logan, seines Zeichens leitender Direktor des operativen Bereichs bei Canipre, der sie in der Vergangenheit als sein eigenes Blog ausgewiesen hat. Dort finden sich neben Pressemitteilungen der Firma und Informationen zu einem laufenden Verfahren, für das man Beweismittel beisteuert, auch zahlreiche Artikel verschiedener Medien.

Das Problem: Die Texte werden nicht als Zusammenfassung oder in Form eines Exzerpts aufbereitet, sondern finden sich dort im Volltext. Teilweise finden sich auch die Fotos aus dem Originalbeitrag wieder, mitunter fehlt die Namensangabe des Verfassers oder überhaupt der Verweis auf das Medium, das den Artikel ursprünglich publiziert hat.

Auch Paywall-Artikel entdeckt

Alleine im Dezember fand Geist Volltexte der Huffington Post, Business Insider und CNet. In der Zeit davor hatte sich Logan unter anderem bei Global News, der Vancouver Sun, dem Hollywood Reporter oder auch der Nachrichtenagentur Reuters bedient. Einen besonders krassen Fall stellt ein 1.200-Wörter-Text des Wire Reports dar, der ebenfalls vollständig auf die Seite kopiert wurde. Er stammt vom Telekom-Fachmedium Wire Report und steht dort hinter einer Paywall, ist also erst gegen Bezahlung zugänglich.

Rechtsexperte ortet Verstoß

Während die Verwendung von Textausschnitten zumeist als "Fair Use" angesehen wird und auch sich Volltexte unter bestimmten Umständen für eine solche Verwendung qualifizieren, so argumentiert Geist, ist das Veröffentlichen von Artikeln im Volltext ohne ausreichender Quellenangaben oder gar das Publizieren eigentlich kostenpflichtiger Inhalte wohl als Copyrightverstoß zu sehen.

Dementsprechend solle Canipre sich mit dem eigenen Gebahren auseinandersetzen, bevor man möglicherweise eben jenen Medienunternehmen Dienstleistungen anbietet und in ihrem Namen tausende Verständigungen wegen Urheberrechtsverletzungen verschickt. (gpi, derStandard.at, 07.01.2014)

  • Die Copyright-Fahnder von Canipre könnten sich bald mit Forderungen diverser Medienunternehmen konfrontiert sehen.

    Die Copyright-Fahnder von Canipre könnten sich bald mit Forderungen diverser Medienunternehmen konfrontiert sehen.

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