Die Leiden des Ivica K.

Porträt7. Jänner 2015, 12:30
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Kroatiens Skiheld Ivica Kostelic fuhr zuletzt der Konkurrenz hinterher, noch ist er nicht deprimiert: "Ich habe immer noch Motivation"

So gerne hätte er in seiner Heimat gewonnen. Ein paar Mal war er ziemlich knapp dran. Einmal wurde er Dritter, zweimal Zweiter. 2009 fehlten ihm nur fünf Hundertstelsekunden auf den Sieger Jean-Baptiste Grange. Aus dem Heimsieg wird kaum noch etwas werden. Ivica Kostelic, Kroatiens großem Skihelden, fehlen mittlerweile viel mehr als fünf Hundertstel auf die Weltspitze. In seinem Heimslalom am Dienstag in Zagreb, den der Salzburger Marcel Hirscher ("Es ist voll cool") 0,81 Sekunden vor dem Deutschen Felix Neureuther und 1,04 Sekunden vor dem Norweger Sebastian-Foss Solevaag gewann, kam Kostelic auf Rang 18. Es war sein drittes Ergebnis in diesem Winter, 26. war er im Slalom von Madonna, 30. in der Abfahrt von Lake Louise. Das war's. Viel zu wenig für den hochbegabten, vielseitigen Skifahrer aus Zagreb.

"Die Chance auf einen Sieg ist nicht groß. Aber man hat immer eine Chance, wenn man an den Start geht", hatte Kostelic dem Standard vor seinem siebenten Antreten beim siebenten Herren-Weltcup-Slalom am Sljeme gesagt. Ob es sein letztes Heimrennen war? "Vielleicht."

Kostelic (35) ist nicht mehr der Jüngste. Die Vorhaben für den Winter waren dennoch groß. Um den Gesamtweltcup wollte er mitfahren und eine Medaille bei der WM in Vail gewinnen. Wenigstens diese Chance hat er theoretisch noch. Es wäre seine vierte. Die erste Medaille, Slalom-Gold in St. Moritz, gewann er vor zwölf Jahren, die bisher letzte vor zwei Jahren in Schladming (Silber in der Superkombi). Viermal holte er zudem olympisches Silber.

Motiviert, ramponiert

No na ist Kostelic nicht glücklich über den Saisonverlauf. Aber man soll, sagt er, "nicht deprimiert sein. Ich habe immer noch Motivation." Kostelic, der 1998 im Weltcup debütierte, hat in seiner Laufbahn nicht nur viel gewonnen. Vor allem hat er viel gelitten. Elfmal wurde der 26-fache Gewinner von Weltcuprennen am Knie operiert. Gesundheitlich gehe es ihm "soso. Seit drei Jahren fahre ich mit Schmerzmitteln."

Auch wenn der Gesamtweltcupsieger von 2011 seine besten Zeiten hinter sich hat, die Kroaten lieben ihn. Wo er hinkommt, jubeln sie ihm zu. Die Journalisten scharen sich um ihn. Er und vor allem seine Schwester Janica hatten in dem Land, das alles andere als eine Skination war, einen Hype ausgelöst. Zu Tausenden pilgerten die Fans zu den Rennen am Sljeme. Mit einem Heimsieg wurden sie nie belohnt. Janica wurde 2006 Dritte. 2007 trat die dreifache Gesamtweltcupsiegerin und vierfache Olympiasiegerin zurück. Auch sie plagten Verletzungen und Schmerzen.

Im Sog der Kostelic-Geschwister schaffte das eine oder andere kroatische Talent den Anschluss an die Weltspitze. Ana Jelusic holte zwei Weltcup-Podestplätze. 2012 trat sie zurück. Nika Fleiss fuhr sechsmal in die Top Ten. Natko Zrncic-Dim holte 2009 WM-Bronze in der Superkombi, fällt im Weltcup aber selten auf. Aktueller Hoffnungsträger ist Filip Zubcic (21), zuletzt Siebenter im Riesentorlauf von Alta Badia.

Der Hype in Kroatien ist nach dem Ende der Erfolge abgeebbt. Die Slaloms am Sljeme zählen aber noch zu den bestbesuchten Weltcup-Veranstaltungen. Den Damen-Slalom am Sonntag verfolgten 8000 vor Ort. Das kroatische Fernsehen zog den Event groß auf, übertrug sogar die Startnummernauslosung live.

In die Fußstapfen der Kostelic-Geschwister wird so schnell keiner treten können. Ivica Kostelic sind seine eigenen zu groß geworden. Er musste bescheidener werden. Er kann schwer sagen, was im Rest der Saison für ihn noch drin ist. "Schneller fahren" will er jedenfalls. "Ich muss jetzt auf kleine Schritte stolz sein." (Birgit Riezinger aus Zagreb, DER STANDARD, 7.1.2015)

Die Reise erfolgte auf Einladung von Zagreb Tourismus und des kroatischen Skiverbandes.

  • Ivica Kostelic hat in seiner Karriere viel gewonnen, noch mehr gelitten. Seine Laufbahn neigt sich dem Ende zu.
    foto: apa

    Ivica Kostelic hat in seiner Karriere viel gewonnen, noch mehr gelitten. Seine Laufbahn neigt sich dem Ende zu.

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