ORF will Schalkos neue Serie erst über Website Flimmit verkaufen

7. Jänner 2015, 07:41
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Plan: im Frühjahr über Netflix-Konterpart des ORF vermarkten, im Herbst im Fernsehen zeigen

Wien - Es geht um ein Produktionsvolumen jenseits der vier und nicht weit von fünf Millionen Euro. Und es geht darum, die frisch erworbene Antwort des ORF auf Netflix zu promoten. Also will der ORF David Schalkos neue Serie "Altes Geld" nach Infos vom Küniglberg zunächst ab Frühjahr über seine Online-Videoplattform Flimmit verkaufen. Im Herbst dann soll die schräge Familiensaga in acht Teilen im ORF-Fernsehen laufen.

Den Plan bestätigten mehrere Quellen. Die Letztentscheidung sei noch nicht gefallen, hieß es am Dienstag im ORF.

Mehrheit an Flimmit

Der ORF ist 2014 bei Flimmit eingestiegen. 2015 übernimmt er wie geplant die Mehrheit - aus 25,1 Prozent werden 88. So die Wettbewerbsbehörden in Brüssel, die sich für den Vorgang interessierten, das nicht verzögern.

EU prüfte

Denn Flimmit gehört den ORF-Töchtern für Vermarktung (Enterprise) und Sendetechnik (ORS) – und an der ORS hält neben dem ORF auch der Riese Raiffeisen 40 Prozent. Die EU prüfte Ende 2014 wegen der hohen Umsätze von ORF und Raiffeisen, ob sie die Übernahme der bisher kleinen Online-Plattform formell prüft.

Online-Vorverkauf

Der ORF dürfte dennoch wie geplant in den nächsten Wochen mit dem großen Neustart von Flimmit beginnen. Die Premiere der nächsten großen Schalko-Serie nach "Braunschlag" passt da gut, um die Plattform für kostenpflichtigen Online-Videoabruf zu promoten.

Modell "Braunschlag", nur digitaler

Ganz neu ist das Timing nicht: Anfang März 2012 brachten der ORF und die Wiener Produktion Superfilm die DVD-Box zu "Braunschlag" in den Handel. Im Herbst lief die Serie dann im linearen ORF-Fernsehen. Inzwischen sicherte sich Rupert Murdochs 20th Century Fox eine Option auf ein US-Remake der Schalko-Serie aus dem tiefsten Waldviertel.

Solche internationalen Ehren könnten vorerst mehr wirtschaftlichen Wert haben als der Online-Vorverkauf über Flimmit. Doch mit der Plattform will der öffentlich-rechtliche Sender ein Zukunftsgeschäftsfeld nicht Netflix, Maxdome und Co überlassen. ORF-Chef Alexander Wrabetz dachte im STANDARD-Interview 2014 schon über eine Flimmit-Expansion nach Deutschland (mit europäischer Produktionen) nach. Und, mit Partnern, über die globale Vermarktung von Klassikvideos.

Fernsehfonds förderte mit 1,34 Millionen

Die Produktionskosten von "Altes Geld" dürfte die Flimmit-Vermarktung nur sehr homöopathisch ausbalancieren. Neben den Koproduzenten ORF und Superfilm trägt der Fernsehfonds einen großen Teil: 1,344 Millionen Euro schoss die Rundfunk- und Telekomregulierungsbehörde RTR 2014 zu, mehr als ein Viertel der Produktionskosten für den Achtteiler. Nur "Soko Donau" der Satel Film erhielt 2014 für 16 Folgen mehr vom Fonds – 2,376 Millionen Euro.

Das jüngste Serienwerk des Autors und Regisseurs Schalko, dem die Superfilm mit Geschäftsführer John Lüftner gehört, ist eine Familiensaga in – soweit absehbar – recht schriller Ästhetik. Nach Gert Voss' Tod 2014 übernahm Udo Kier die Rolle des Patriarchen.

Für Menschen mit Sinn fürs Gegenständliche dürfte "Altes Geld" übrigens parallel zum Flimmit-Angebot auch wieder auf DVD in den Handel kommen. (fid, DER STANDARD, 7.1.2015)

  • "Krieg aus Gier, Wahnsinn und Macht" um einen milliardenschweren Patriarchen, der eine neue Leber braucht: Das verspricht die ORF-Öffentlichkeitsarbeit für David Schalkos achtteilige Familiensaga "Altes Geld" mit Manuel Rubey, Sunnyi Melles, Nicholas Ofczarek, Udo Kier und Nora von Waldstätten (von links).
    foto: orf / superfilm

    "Krieg aus Gier, Wahnsinn und Macht" um einen milliardenschweren Patriarchen, der eine neue Leber braucht: Das verspricht die ORF-Öffentlichkeitsarbeit für David Schalkos achtteilige Familiensaga "Altes Geld" mit Manuel Rubey, Sunnyi Melles, Nicholas Ofczarek, Udo Kier und Nora von Waldstätten (von links).

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