Ali bin al-Hussein: Der Prinz, der Blatters Ball begehrt

Kopf des Tages6. Jänner 2015, 18:50
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Der jordanische kandidiert für das Präsidentenamt des Weltfußballverbands

Mag sein, Joseph S. Blatter denkt jetzt, er habe eine Wüstenkobra am Busen genährt. Dass nämlich ausgerechnet der jordanische Prinz Ali bin al-Hussein per Twitter seine Kandidatur für das Präsidentenamt des Weltfußballverbands (Fifa) hinauszwitscherte, war nicht zu erwarten. Als nämlich der vierte Sohn Husseins I. und Halbbruder von König Abdullah II. vor genau vier Jahren als bisher jüngstes Mitglied und gleich als Vizepräsident ins allmächtige Fifa-Exekutivkomitee gewählt wurde, spielte das dem wendigen Schweizer durchaus in die Hände. Setzte sich doch der damals 35-jährige Haschemitenspross in einer Kampfabstimmung des asiatischen Verbandes (AFC) wohl mit Blatters Hilfe gegen den Südkoreaner Chung Mong Joon durch. Der galt, nicht zuletzt wegen seines Hintergrunds als Teilhaber des Fifa-Großsponsors Hyundai, als einer der mächtigsten Blatter-Kritiker und Herausforderer.

Es hätte Blatter aber auch eine Warnung sein können, dass der Chef des jordanischen Verbands seine guten Kontakte zum europäischen Verband Uefa, zum afrikanischen Fußball und zu den Verbänden Amerikas pries. "Wir können nur gewinnen, wenn wir alle zusammenarbeiten", sagte Prinz Ali nach seinem Sieg. Heute klingt das wie ein Programm für die anstehende Wahl am 29. Mai in Zürich. Denn Blatter, der mit seinen bald 79 Jahren und trotz aller Skandale eine fünfte Amtszeit anstrebt, konnte sich bisher stets der Stimmen aus Asien, Afrika und kleinerer Verbände aus Mittelamerika und der Karibik sicher sein. Deren Funktionäre pflegte er, wie ihm unterstellt wird, nicht nur mit reiner Liebenswürdigkeit.

Ali bin al-Hussein, der mit der ehemaligen CNN-Journalistin Reem Brahimi, der Tochter des algerischen Diplomaten und UN-Feuerwehrmanns Lakhdar Brahimi, verheiratet ist und mit ihr zwei Kinder hat, gilt zudem als Vertrauter von Uefa-Präsident Michel Platini. Der Europameister will zwar nicht selbst gegen Blatter antreten, ist aber auch nicht beglückt darüber, dass sich ein anderer Franzose, Jérôme Champagne, bar jeder Chance dem Fifa-Patriarchen stellen will.

Prinz Ali, in Großbritannien (Sandhurst) und den USA (Princeton) ausgebildet, Brigadier der jordanischen Armee und einst ein gewandter Ringer, rang der Fifa 2012 die Kopftucherlaubnis für Fußballerinnen ab. Blatter gab damals auch nach, weil er den Jordanier und dessen Föderation treu an seiner Seite glaubte. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 7.1.2015)

  • Prinz Ali bin al-Hussein will Blatters Ball.
    foto: ap / lai seng sin

    Prinz Ali bin al-Hussein will Blatters Ball.

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