Bond-Dreh in Aussee: "Wild, rau und sexy"

6. Jänner 2015, 16:47
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Im Auftrag Ihrer Majestät treibt in Altaussee derzeit James Bond sein Unwesen. Das Wetter sorgt aber dafür, dass die Zahl der Schaulustigen überschaubar bleibt

Linz - Es ist eine der entscheidenden Fragen unter Fans, die am kalten Wintermorgen an den Ufern des Altausseer Sees heftig diskutiert wird: Sean Connery, Roger Moore, oder Pierce Brosnan? Für eine in Loden gehüllte Frau alles keine Optionen. "Der Daniel Craig ist der einzig wahre James Bond. So männlich - wild, rau, sexy, und im Kern aber weich." Die von dicker Schminke umrahmten Augen leuchten, der Blick schweift über die Weiten des Sees. Ms. Moneypenny hätte die Szene wohl nicht schöner hinbekommen. (Bond: "Was soll ich nur ohne Sie anfangen?" Moneypenny: Warum kommen Sie nie auf die Idee, etwas mit mir anzufangen? ").

Während die einen schmachten, freuen sich andere bereits über ihre "Beute". Eduard Sochor zieht stolz mit seinem Handy durch die überschaubare Menge an Schaulustigen. Eine Stunde hat der Schüler Montagabend vor dem Luxushotel "Seevilla" der eisigen Kälte getrotzt, dann war das Selfie mit Daniel Craig im Mobiltelefon.

007 in der Luxus-Suite

Dieser war - natürlich im Auftrag Ihrer Majestät und begleitet von mehr als 300 Filmcrew-Mitgliedern - zum Austro-Drehstart des neuen 007-Streifens Spectre für zwei Tage ins steirische Salzkammergut gereist. Die "Seevilla" war damit fest in der Hand des britischen Geheimdienstes. Bond, James Bond, bewohnte Luxussuite 404 - 24-Stunden-Butler-Service inklusive. Dem Vernehmen nach soll auch der Martini-Konsum - geschüttelt, nicht gerührt - in der Ausseer Gastronomie einen plötzlichen Anstieg erlebt haben.

Wer aber mit dem großen "Tschinbum" in bester Bond-Manier gerechnet hat, wurde enttäuscht. Auf dem Setplan in Altaussee standen keine explosiven Actionszenen. Der große Krach bleibt den anderen Österreich-Drehorten Sölden und Obertilliach vorbehalten.

Zum Entspannungsurlaub wurde Mr. Bonds Besuch in Altaussee aber dennoch nicht: eine spektakuläre Verfolgungsjagd entlang des Ufers, eine Plättenfahrt über den See, die Flucht über die sogenannte Seewiese - hinein ins Jagdhaus. Welches aber zum Schutz der Natur erst nachträglich im Londoner Studio gesprengt wird. Craig selbst zeigt sich, ganz Geheimagent, nur selten. Doch der wahre Fan ist genügsam - auch nach Stunden in der Kälte. Es sind die kurzen Auftritte ("get out of the cold, guys") vor dem Hoteleingang, die die 007-Herzen nachhaltig erwärmen.

Promi-Malus in Aussee

Einheimischen ist die geheime Mission hingegen ziemlich egal. Man sei Promis im Ort gewöhnt. "Der Nicolas Cage hat schon am Loser gedreht, der Brad Pitt hat bei uns Klettern gelernt, jetzt ist halt der Bond am See - na und?", zieht ein älterer Spaziergänger eine eher nüchterne Bilanz. Und eine Frau setzt nach: "Wir wollen unsere Ruhe. Einfach die Natur genießen - und nicht einem wildgewordenen Geheimagenten bei der Arbeit zuschauen."

Vonseiten der Tourismusverantwortlichen zeigt man sich erwartungsgemäß deutlich optimistischer. Rund 500.000 Euro soll die Geheimmission bereits der Region eingebracht haben.

Man spiele jetzt in der "filmischen Oberliga" mit, zeigt sich auch Enrico Jakob von der CineStyria begeistert. "Wir haben gezeigt, dass wir Großproduktionen meistern können."

Das Altausseer Reserve-Bond-Girl in Tracht hat derweil Stellung vor der "Seevilla" bezogen. Mit einem klaren Ziel: "Ich will ein Date mit Daniel Craig." Sollte es im Salzkammergut nicht klappen, bleibt ja noch Tirol. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 7.1.2015)

  • Der Lohn für das Frieren in malerischer Landschaft: eine ordentliche Verkühlung und ein Selfie mit Daniel "007" Craig.
    foto: werner dedl

    Der Lohn für das Frieren in malerischer Landschaft: eine ordentliche Verkühlung und ein Selfie mit Daniel "007" Craig.

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