Ein eigenes Reich nach der Wohnungslosigkeit

7. Jänner 2015, 17:03
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Betreute Kleinstwohnungen in Salzburg bieten Unterkunft und helfen, das Wohnen neu zu lernen

Salzburg - Zwei Jahre ist es her, dass Klaus K.* einen "beruflichen Schiffsbruch erlitten" hat, wie er es nennt. "Innerhalb eines Monats, im Dezember 2012, habe ich meine Familie, mein Haus und meine Arbeit verloren", sagt Klaus K. Bis Mai hätte er gekämpft. Dann sei die Situation ausweglos geworden. Ein Selbstmordversuch folgte. Sechs Monate verbrachte der 48-Jährige nach dem gescheiterten Versuch in der Christian-Doppler-Klinik. Nachdem Klaus K. entlassen wurde, hatte er keine Unterkunft mehr.

1260 Menschen galten 2013 in der Stadt Salzburg laut Wohnungslosenerhebung als wohnungslos. Sie leben auf der Straße, sind in Pensionszimmern, Notschlafstellen oder bei Bekannten notuntergebracht oder von unzumutbaren Wohnverhältnissen betroffen. Gegenüber dem Jahr 2012 ist die Zahl der Wohnungslosen um 16 Prozent gestiegen, in den letzten zehn Jahren hat sie sich verdoppelt. Österreichweit dürften mindestens 37.000 Menschen ohne feste Unterkunft leben. Das geht aus einer österreichweiten Erhebung aus dem Jahr 2006 hervor.

Auch Mittelschicht betroffen

Immer häufiger würden auch Menschen mit durchschnittlichen Einkommen Hilfe bei Beratungsstellen suchen, warnt das Forum Wohnungslosenhilfe Salzburg. Die Wohnungslosigkeit komme in der Mittelschicht an. Der Anteil, den die Wohnkosten vom Einkommen verschlingen, werde immer höher. Zudem wachse jährlich die Kluft zwischen Sozialleistungen und Mietpreisen.

Auch Klaus K. hat sich dazu überwunden, Hilfe bei der Sozialberatung der Soziale Arbeit GmbH (SAG) zu suchen. Nach mehreren Beratungsgesprächen wurde er in einer von insgesamt 33 Kleinwohnungen, der SAG untergebracht.

Seit 12. 12. 2013 lebt K. nun in der 30 Quadratmeter großen Garçonnière in der Stadt Salzburg. Er schläft auf einem ausziehbaren Sofa in einem Wohnschlafraum, in dem sich auch seine kleine Küchenzeile befindet. Bad und WC befinden sich in einem separaten Raum. "Die Wohnung war ein Neustart ins neue Leben, um wieder Fuß zu fassen", sagt Klaus K.. Er nennt sie liebevoll "mein Reich". Gleichzeitig arbeitet K. in dem integrativen Restaurantbetrieb "Schmankerl". Für den 48-Jährigen "ein Highlight, wenn man arbeiten kann und nicht wegen dem Vorleben zu Kreuze kriechen muss".

Die betreuten Kleinstwohnungen sind auf ein Jahr begrenzt und mit einer wöchentlichen Betreuung durch einen Sozialarbeiter verbunden. "Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe", erklärt K.s Sozialarbeiter Gerrit Prokop. An erster Stelle stehe die Wohnintegration, danach erste Schritte in den Arbeitsmarkt. Derzeit betreut Prokop acht Klienten. Klaus K. gaben die wöchentlichen Besuche nicht nur eine Struktur: "Das Wichtigste für mich war ein Ansprechpartner. Ich habe alles verloren, auch meine Freunde bis auf Ausnahmen. Der Betreuer ist jemand, der dir zuhört und dich motiviert."

Auf ein Jahr befristet

Die Klienten müssten wieder lernen zu wohnen, ergänzt die Abteilungsleiterin für Wohnen und Sozialberatung in der SAG, Hilde Eisl. Nach einem Jahr sollte der Klient wieder selbstständig wohnen können. "Das ist der größte Kampf", sagt Eisl, denn Nachfolgewohnungen seien rar.

Ein Hauptproblem sei die Diskrepanz zwischen dem höchstzulässigen Wohnaufwand, den die Mindestsicherung vorschreibt, und den tatsächlichen Wohnkosten in Salzburg. Der maximale Wohnaufwand liegt bei 380 Euro für eine 40-Quadratmeter-Wohnung. Die durchschnittliche Quadratmetermiete inklusive Betriebskosten in der Stadt beträgt laut Mietpreisanalyse 2014 der Salzburger Arbeiterkammer 13,6 Euro. Damit kostet eine 40-Quadratmeter-Wohnung durchschnittlich 544 Euro monatlich.

De facto sind Mindestsicherungsbezieher also vom privaten Wohnungsmarkt ausgeschlossen. Auch die Situation am geförderten Wohnungsmarkt ist freilich alles andere als rosig: Seit Jahren sind rund 4000 Menschen am Wohnungsamt der Stadt Salzburg angemeldet. Die Wartezeit für eine leistbare Wohnung beträgt bis zu zehn Jahre. Um einen Antrag stellen zu können, müssen auch wohnungslose Menschen einen dreijährigen Aufenthalt in der Stadt nachweisen.

Doch Klaus K. hat es geschafft. Vor drei Wochen bekam der 48-Jährige die Zusage für eine Gemeindewohnung, die auch innerhalb der Grenze des Wohnaufwands von 380 Euro monatlich liegt. Zweieinhalb Jahre war er beim Wohnungsamt gemeldet. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 7.1.2015)

*Name von der Redaktion geändert

  • Die betreute Einzimmerwohnung war für Klaus K. "ein Neustart".
    foto: ruep

    Die betreute Einzimmerwohnung war für Klaus K. "ein Neustart".

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