Erst die Ankunft der Europäer führte zum Bevölkerungskollaps auf der Osterinsel

6. Jänner 2015, 12:14
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Forscher untersuchten die historische Landnutzung und widerlegen eine gängige Annahme zum gesellschaftlichen Zusammenbruch auf der Insel

Richmond (Virginia) - Am Ostersonntag 1722 landete der niederländische Seefahrer Jakob Roggeveen mit drei Schiffen auf Rapa Nui im Südostpazifik - fortan Paasch-Eyland, auf Deutsch Osterinsel, genannt. Für die dortige Bevölkerung war der Kontakt mit den europäischen "Entdeckern" fatal: Eingeschleppte Krankheiten wie Tuberkulose, Syphillis und Grippe führten zu einem ungeheuren Massensterben.

Überbevölkerung und Krankheiten

Die Bevölkerungsentwicklung der Insel vor der Landung der Europäer ist umstritten. Nach einer bekannten Theorie begann ein gesellschaftlicher Zusammenbruch nämlich schon früher, als Folge von Überbevölkerung und Ressourcenknappheit auf der Insel. Diese Annahme erfuhr besonders durch den US-amerikanischen Anthropologen Jared Diamond große Popularität.

Andere Forscher sehen die Ursache für den starken Bevölkerungsrückgang auf der Osterinsel erst im Kontakt mit den Europäern ab 1722. Ein Team um Christopher Stevenson von der Virginia Commonwealth University in Richmond befasste sich dieser Frage nun eingehender und kommt im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) zum Schluss: Der Zusammenbruch kam erst mit den Europäern.

Keine Hinweise auf allgemeine Entwicklung

Die Wissenschafter fanden zwar Hinweise darauf, dass die Landnutzung und damit die Nahrungsmittelproduktion an einigen Orten der Insel bereits vor und um das Jahr 1700 stark zurückging. Dies könne aber auf geringe Niederschlagsmengen und schlechte Bodenqualität an diesen Stellen zurückgeführt werden und sei nicht als Hinweis auf eine allgemeine Entwicklung zu bewerten.

Stevenson und Kollegen untersuchten die Landnutzung in verschiedenen Inselregionen anhand des Vulkangesteins Obsidian. Dieses glasartige Mineral wurde von den Einwohnern der Osterinsel auf vielfältige Weise im täglichen Leben genutzt. Die Flächen des bearbeiteten Obsidians verbinden sich umso stärker mit Wasser (Hydration), je länger sie der Witterung ausgesetzt sind. Diesen Umstand nutzten die Forscher, um die Herstellung der Obsidianartefakte zu datieren. Aus der Häufigkeit der jeweils auf einem Areal von 500 mal 500 Metern gefundenen bearbeiteten Steine errechneten sie ein Nutzungsprofil dieses Areals über die Jahrhunderte hinweg.

Entscheidende Regen- und Bodenverhältnisse

Eines der Areale liegt im Regenschatten des mit 505 Metern höchsten Bergs der Insel, Mount Terevaka. Es wurde den Ergebnissen zufolge bis etwa 1660 intensiv genutzt. Bei der Ankunft der Europäer 1722 war die Intensität der Nutzung auf die Hälfte zurückgegangen und sank dann langsam weiter bis 1900. Ein anderes Gebiet wies zwar hohe Niederschlagsmengen auf, hat aber einen stark ausgelaugten Boden. Die Spuren der Nutzung gehen nach 1710 deutlich zurück.

Ein dritter Ort, mehr als vier Kilometer von der Küste entfernt gelegen, wurde über die Jahrhunderte hinweg mehr oder weniger intensiv genutzt. An dieser Stelle gibt es reichlich Regen und eine gute Bodenqualität.

Aus den Ergebnissen folgern die Forscher, dass Regen- und Bodenverhältnisse entscheidend für die Landnutzung gewesen seien, nicht die Größe der Bevölkerung. So sei es möglich, dass eine verminderte Landnutzung vor Ankunft der Europäer zur Nahrungsmittelreduktion und zu Konflikten geführt habe, die Studie belege aber keinen inselweiten Kollaps der Bevölkerung. (APA/red, derStandard.at, 6.1.2016)

  • Satellitenaufnahme von Rapa Nui.
    foto: nasa

    Satellitenaufnahme von Rapa Nui.

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