Gute Vorsätze

Kolumne13. Jänner 2015, 16:11
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Nach den Feiertagen verlangt der malträtierte Gaumen gute Tropfen zur Besänftigung

Keiner will sich noch an elende Christkindlmärkte, mäßig unterhaltsame Weihnachtsfeiern und ernüchternde Familienfeste erinnern - auch nicht an Silvestereinladungen, die so prickelnd waren wie ausgerauchter Champagner. All das ist, gottlob, überstanden.

Was derlei Veranstaltungen gemeinsam haben, ist die ernüchternde Erkenntnis, zu viel getrunken zu haben: zu viel vom klebrigen Bananenpunsch, vom überholzten, chilenischen Rotwein und picksüßem Prosecco. Meist in Ermangelung von Alternativen. Es ist nur schwer vorstellbar, wie viele Weine an der Grenze zur Untrinkbarkeit in so manchen Kellern gehortet werden.

Schnöde Genusszügelung

Schlechtes Gewissen führt dann unweigerlich zu Neujahrsvorsätzen, die schnöde Genusszügelung zum Inhalt haben. Wieso um Himmels willen hat man das unbändige Bedürfnis, sich für etwas zu bestrafen, das ohnehin schon Strafe genug war? Und wie bitte soll man denn den Rest des Jahres überleben, wenn schon der erste Tag so unerquicklich beginnt?

Vielleicht, weil einen jahrzehntelange Erfahrung gelehrt hat, dass utopische Vorsätze ohnehin nie eingehalten werden. Insgeheim weiß man wohl, dass sie auch diesmal eher früher als später nur Schall und Rauch sein werden.

Wäre es nicht vernünftiger, den malträtierten Gaumen gerade jetzt mit herausragenden Weinen und exzellentem Champagner zu besänftigen? Und zwar: viel und gut! (Christina Fieber, Rondo, DER STANDARD, 9.1.2015)

  • Wieso um Himmels willen hat man das unbändige Bedürfnis, sich für etwas zu bestrafen, das ohnehin schon Strafe genug war?
    foto: ap/edme

    Wieso um Himmels willen hat man das unbändige Bedürfnis, sich für etwas zu bestrafen, das ohnehin schon Strafe genug war?

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