Deutsche Inflation fällt wegen des Ölpreises fast auf null

5. Jänner 2015, 12:19
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Die Inflation ist im Dezember auf den niedrigsten Wert seit mehr als vier Jahren gesunken. Das könnte die EZB unter Druck setzen

Berlin – Dank kräftig gesunkener Ölpreise ist die deutsche Inflationsrate im Dezember auf Werte nahe null gefallen. Nach bisher vorliegenden Daten aus sechs Bundesländern lag die Teuerungsrate zwischen 0,0 und 0,5 Prozent, wie die Statistischen Landesämter am Montag mitteilten.

Damit gerät die Europäische Zentralbank (EZB) zunehmend unter Druck, sich gegen einen Preisverfall auf breiter Front zu wappnen. Deutschlandweit dürften die Verbraucherpreise im Schnitt nur um etwa 0,2 oder 0,3 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen sein, sagten Ökonomen. Das wäre der niedrigste Wert seit mehr als vier Jahren.

Deflation "gut möglich"

Im November ist die Teuerungsrate noch bei 0,6 Prozent gelegen. Eine offizielle Schätzung will das Statistische Bundesamt am Nachmittag veröffentlichen. "Über den Rückgang der Teuerung dürfen sich die Verbraucher freuen, denn die Energierechnung sinkt, was etwa beim Tanken und Heizen spürbar wird", sagte Ökonom Holger Sandte von der Nordea Bank.

Die EZB werde dies hingegen mit sehr gemischten Gefühlen sehen. "Es ist gut möglich, dass die Inflationsrate im Euroraum unter null rutscht", sagte Sandte. Damit stiege die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die EZB am 22. Jänner den Ankauf von Staatsanleihen ankündigt.

Leitzins auf Rekordtief

Ähnlich sieht das Analystin Jennifer McKeown von Capital Economics. "Erstmals seit Oktober 2009 könnte die Inflationsrate im Euroraum negativ sein", sagte die Expertin. Diese Entwicklung würde es für die EZB nahezu unvermeidlich machen, auf ihrer ersten Zinssitzung im neuen Jahr am 22. Jänner den Kauf von Staatsanleihen ("quantitative easing") zu beschließen.

Die EZB sieht stabile Preise bei einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent gewährleistet, ist von diesem Ziel jedoch mittlerweile sehr weit entfernt. Sie will mit aller Macht eine Deflation vermeiden, also eine Spirale aus stetig fallenden Preisen auf breiter Front. Dies könnte die Wirtschaft lähmen, da Umsatz- und Gewinnrückgänge die Folge sein könnten. Die Währungshüter haben bereits den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt und den Kauf von Hypothekenpapieren und Pfandbriefen beschlossen. (APA, 5.1.2015)

  • Die Preise steigen in Deutschland nur mehr minimal. Für die Notenbank ist das ein Problem, sie soll für leicht steigende Preise sorgen.
    foto: reuters/kalnins

    Die Preise steigen in Deutschland nur mehr minimal. Für die Notenbank ist das ein Problem, sie soll für leicht steigende Preise sorgen.

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