Wiener Mediziner wollen mit Kundgebung "Zeichen setzen"

5. Jänner 2015, 11:56
52 Postings

Versammlung angestellter Ärzte für 19. Jänner geplant - Situation im AKH laut Betriebsrat "sehr angespannt"

Wien - Im Konflikt um das mit 1. Jänner in Kraft getretene Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte wollen Wiens Mediziner ein Zeichen setzen. Nachdem es im AKH zwischen Gewerkschaft und Rektorat der Medizinischen Universität Wien, die für die Ärzte im AKH verantwortlich zeichnet, noch immer keine Einigung gibt, organisiert die Wiener Ärztekammer nun für 19. Jänner eine Vollversammlung aller angestellten Ärzte.

Im Museumsquartier soll die Situation in den einzelnen Spitälern diskutiert sowie gemeinsame Forderungen und Konsequenzen formuliert werden, wie Thomas Szekeres, Präsident der Wiener Ärztekammer, am Montag erklärte. Die Kundgebung ist für 14.00 Uhr angesetzt. Als Streik will er die Veranstaltung nicht verstanden wissen, es gehe erst einmal um Information und Schulterschluss.

Szekeres rechnet mit Engpässen

Die Stimmung unter den Wiener Medizinern sei jedoch schlecht. Und auch die Patienten könnten, vor allem im AKH, bald Einschränkungen merken. Szekeres rechnet bereits jetzt mit Engpässen. "Die Situation ist sehr angespannt", so Martin Andreas, Betriebsrat für das wissenschaftliche Universitätspersonal der MedUni Wien und damit der AKH-Ärzte. Auch deshalb wolle man mit der Unterstützung der Ärztekammer-Versammlung nun ein "Zeichen setzen".

"Massiver persönlicher Einsatz"

Bereits jetzt könnten Dienste etwa in der Augenheilkunde oder der Anästhesie nicht mehr besetzt werden, schilderte er. Beispielsweise in der Onkologie gebe es bereits Hinweise auf längere Wartezeiten. "In manchen Abteilungen wird auf Reserve gearbeitet", so Andreas. Denn die neue Maximalarbeitszeit von 48 Stunden pro Woche gilt für einen Durchrechnungszeitraum von 17 Wochen. Deshalb sei es jetzt noch möglich, mehr als erlaubt zu arbeiten. Diese Dienste würden später aber fehlen. Derzeit könne die Betreuung von komplexen Fällen nur durch den "massiven persönlichen Einsatz der Kollegen" aufrechterhalten werden.

Eine Betriebsvereinbarung im AKH sei "dringend notwendig", um die Patientenversorgung weiter zu gewährleisten, betonte auch Szekeres. Kurz vor Silvester war die zweite Verhandlungsrunde zwischen Betriebsrat und Rektorat der MedUni Wien gescheitert - einen neuen Termin gibt es laut Andreas derzeit noch nicht. Dagegen haben die Mediziner der Spitäler des Krankenanstaltenverbundes (KAV) bereits eine Übergangslösung mit der Stadt Wien, die hier für die Ärzte verantwortlich ist. Diese sollte laut Szekeres zumindest bis März oder April für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Moderator soll in Kärnten helfen

In Kärnten haben sich der Spitalerhalter Kabeg und die Ärzten ebenfalls noch nicht auf eine Lösung einigen können. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) hat in einer Aussendung am Montag angekündigt, einen unabhängigen Moderator einzusetzen. "Ich habe Kabeg-Vorstand Arnold Gabriel gebeten, Ärztekammervertreter und Betriebsrat zu einem neuen Verhandlungstermin einzuladen. Dabei soll ein unabhängiger Moderator behilflich sein, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Bei allen Befindlichkeiten darf jedenfalls nicht der Blick auf das Wesentliche verloren gehen, nämlich die Gesundheit und die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung", sagt Kaiser.

Neues Arbeitszeitgesetz

Auslöser der Unstimmigkeiten zwischen Spitalsärzten und Dienstgebern ist das mit 1. Jänner 2015 in Kraft getretene neue Arbeitszeitgesetz. Dieses sieht eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit von 60 auf 48 Stunden vor. Weil dadurch vor allem gut bezahlte Nachtdienste und Überstunden wegfallen, werden von den Medizinern Gehaltseinbußen von bis zu 30 Prozent befürchtet. Sie fordern deshalb eine Aufstockung der Grundgehälter auf in Nachbarländern übliches Niveau. (APA, 5.1.2015)

Share if you care.