Deutscher Agrarminister: Können bei TTIP nicht jede Wurst schützen

5. Jänner 2015, 11:24
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Der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt nennt die geltenden EU-Regeln "sehr bürokratisch"

Hamburg - Die Hersteller regionaler Spezialitäten wie Schinken oder Brot könnten nach Einschätzung von des deutschen Landwirtschaftsministers Christian Schmidt (CSU) durch das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) ihre Privilegien verlieren. "Wenn wir die Chancen eines freien Handels mit dem riesigen amerikanischen Markt nutzen wollen, können wir nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen", sagte Schmidt dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Die geltenden EU-Regeln für regionale Lebensmittel seien "sehr bürokratisch", sagte Schmidt dem "Spiegel". Die EU schütze auch solche Spezialitäten, deren Grundstoffe längst nicht mehr nur in ihren Heimatregionen hergestellt würden, kritisierte der Minister. Darüber habe sich der US-Handelsbeauftragte Michael Froman bei einem Treffen in Washington bei ihm beschwert. "Es wäre unseren amerikanischen Handelspartnern schwer vermittelbar, dass sie keinen Tiroler Speck oder Holländischen Gouda zu uns exportieren dürfen, wenn wir in Europa selbst den Schutz nicht konsequent durchsetzen würden", erklärte Schmidt.

Froman habe aber signalisiert, dass er bereit sei, im Handelsabkommen Ausnahmen für mit Chlor desinfizierte Hühner zu akzeptieren, sagte Schmidt weiter. Er habe den Eindruck, dass die USA verstanden hätten, dass Chlorfleisch in Europa nicht vermittelbar sei. Zudem hätten sich die US-Beamten erstmals offen für eine Kennzeichnung von Gentechnik-Lebensmitteln gezeigt. (APA, 5.1.2015)


Wissen

Eine Liste der 14 derzeit geschützten österreichischen Lebensmittelbezeichnungen von EU-weit 1.452 an der Zahl.

Es gibt geschützte Ursprungsbezeichnungen (gU) und geschützte geographische Angaben (ggA).

  • Wachauer Marille (gU)
  • Tiroler Graukäse (gU)
  • Steirisches Kürbiskernöl (ggA)
  • Marchfeldspargel (ggA)
  • Gailtaler Almkäse (gU)
  • Tiroler Speck (ggA)
  • Tiroler Bergkäse (gU)
  • Vorarlberger Alpkäse (gU)
  • Vorarlberger Bergkäse (gU)
  • Waldviertler Graumohn (gU)
  • Tiroler Almkäse/Tiroler Alpkäse (gU)
  • Gailtaler Speck (ggA)
  • Steirischer Kren (ggA)
  • Mostviertler Birnmost (ggA)

Die Ursprungsbezeichnung (gU) bezieht sich auf den Namen, der das Erzeugnis bezeichnet, dessen Ursprung in einem bestimmten Ort oder einer bestimmten Gegend liegt, dessen Produktionsschritte alle im abgegrenzten Gebiet erfolgen und das seine Güte oder Eigenschaften überwiegend oder ausschließlich diesem Gebiet verdankt.

Unter der geopraphischen Angabe versteht man den Namen, der zur Bezeichnung eines Erzeugnisses verwendet wird, dessen Ursprung in einem bestimmten Ort oder einer bestimmten Gegend liegt. Wenigstens einer der Produktionsschritte muss im Gebiet erfolgen. Die Qualität, das Ansehen oder eine andere Eigenschaft müssen wesentlich auf diesen Ursprung zurückzuführen sein.

  • Der deutsche Agrarminister fordert Realismus in der Debatte um TTIP. Wenn man ein Abkommen wolle, müsse man auch auf die USA zugehen.
    foto: ap/schreiber

    Der deutsche Agrarminister fordert Realismus in der Debatte um TTIP. Wenn man ein Abkommen wolle, müsse man auch auf die USA zugehen.

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