Ein Waserl, das verbal ein wenig Amok läuft

5. Jänner 2015, 11:07
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Jammern auf niederem Niveau oder Opportunist made in Austria: Ferry Öllinger spielt "Herr Novak" von Gerhard Haderer

Salzburg - Eigentlich kennt man Gerhard Haderer als Karikaturisten, der nach seinen Anfängen (beim Watzmann) für diverse überregionale Magazine wie Profil, Wiener oder Stern sowie - quasi einer Aufnahme in den Satire-Olymp gleichkommend - für Titanic zeichnete. Mit seinem Buch Das Leben des Jesus testete er 2002, wie weit es hierzulande (und in Griechenland, wo er ursprünglich wegen Blasphemie in Abwesenheit verurteilt worden war, später wurde das Verdikt revidiert) mit der künstlerischen Freiheit her ist.

Neuerdings widmet sich Haderer verstärkt Buchprojekten: Einen Dialog Peter Turrinis machte er zu einem Comic, zuletzt hat er eine Figur aus seinem 1997 erstmals erschienenen Comicschundheftl Moff in einem Buch sowie später in einem Einpersonentheaterstück einer größeren Öffentlichkeit präsentiert: Der Herr Novak (Haderer zeichnet für Regie und Bühnenbild verantwortlich). Die Produktion tourt derzeit durch Salzburg, Oberösterreich und Vorarlberg.

Senf dazugeben

Die Titelfigur existiert im Comic schon seit 2008. Der Herr Novak ist ein nicht besonders arbeitsfreudiger Beamter im Innenministerium, der lieber im Kaffeehaus sitzt und dort seinen vorurteilsbehafteten Senf zu allen essenziellen Fragen und Weltproblemen absondert: vom Nichtrauchen über Integration bis zu Patriotismus und Sport. Ein kleingeistiger Opportunist, Mitläufer und Rassist, wie man ihn an Stammtischen oder bei Sportveranstaltungen noch immer antreffen kann. Nicht dass der Mann keine Gefühle zeigen könnte: Bei Rainhard Fendrichs I Am From Austria flennt er wie ein Schlosshund.

Haderer glaubt an ständige Widergeburten dieses klischeehaften Kleinbürgers, der in der Tradition von Helmut Qualtingers Herrn Karl steht. Direkte Vergleiche mit Letzterem scheut Haderer, obgleich er dessen Einfluss nicht leugnen kann.

Dass Gerhard Haderer aus dem Buch ein Theaterstück gemacht hat, liegt auch an seinem Freund, dem Schauspieler Ferry Öllinger, der den Herrn Novak auf der Bühne überzeugend gibt. Ein Waserl läuft hier verbal Amok. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 5.1.2015)

Nächste Termine: Kleines Theater Salzburg: 8. & 9. 1 sowie 30. & 31. 1.; Local-Bühne Freistadt: 16. 1.; Festsaal Hellmonsödt: 24. 1.

  • Lieber im Kaffeehaus sitzen und charakterlos über die anderen schimpfen: "Herr Novak" (Ferry Öllinger) in einem Stück von Karikaturist Gerhard Haderer.
    foto: kleines theater

    Lieber im Kaffeehaus sitzen und charakterlos über die anderen schimpfen: "Herr Novak" (Ferry Öllinger) in einem Stück von Karikaturist Gerhard Haderer.

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