Nachbaur kritisiert "unschöne Intrigen" von Männern

5. Jänner 2015, 07:24
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Team-Stronach-Klubobfrau für Frauenquote im staatsnahen Bereich

Wien -Team-Stronach-Klubobfrau Kathrin Nachbaur kann sich eine Frauenquote von 50 Prozent in Aufsichtsräten im staatsnahen Bereich vorstellen. Die Erfahrungen in der Politik hätten sie, die immer gegen die Quote war, "nachdenklich gestimmt", sagte Nachbaur im APA-Interview. Kritik übte sie an hauptsächlich von Männern gesponnenen "unschönen Intrigen", auch wegen der eigenen Erlebnisse in letzter Zeit.

Nachbaur will Abgeordnete bleiben

Nachbaur, einst Kronprinzessin von Parteigründer und Milliardär Frank Stronach, hatte sich Ende November vom Amt der Vizeparteichefin zurückgezogen. Im Frühling - rund um den Geburtstermin ihres Kindes - wird sie außerdem die Klubspitze übergeben. Abgeordnete will sie aber bleiben, bekräftigte Nachbaur. Sie orientiere sich an anderen Frauen im Parlament, die Mutter geworden sind, mit einer kurzen Pause. Und "man kann sich ja einmal entschuldigen und dann hoffe ich, dass sich das alles gut organisieren lässt". Es gebe Berufe, wo es die Frauen viel schwerer hätten.

"Unschöne Intrigen"

"Ein größeres Anliegen als je zuvor" sei ihr deshalb das Thema Frauenpolitik: "Das haben mir auch die Entwicklungen der letzten Wochen gezeigt, dass es einfach eine Kraft braucht, die sich verstärkt für Frauen einsetzt in diesem Land" - das habe sie auch aus eigenen Erfahrungen gelernt. "Diese vielen unschönen Intrigen, die werden doch in der Politik hauptsächlich von Männern gesponnen. Es sind in Österreich Männernetzwerke an der Macht, die wichtigsten Positionen des Landes werden von Männern besetzt und das möchte ich zum Anlass nehmen, mich ganz besonders stark für Frauen einzusetzen."

Welche Intriganten sie meint, wollte Nachbaur nach wie vor nicht sagen: "Ich möchte es hinter mir lassen. Ich werde sicher nicht öffentlich mit dem Finger auf irgendjemanden zeigen, aber es werden sich bestimmt die Richtigen angesprochen fühlen."

Keine Quote in Privatwirtschaft

Sie sei jedenfalls der Meinung, dass sich Frauen gegenseitig gut stärken könnten - auch eine strengere Quotenregelung ist für Nachbaur denkbar. Die Regierung habe sich ja verpflichtet, den Frauenanteil in Aufsichtsgremien der Unternehmen, an denen der Bund mit 50 Prozent und mehr beteiligt ist, bis Ende 2018 auf 35 Prozent anzuheben. "Ich war immer gegen die Quote, muss aber zugeben, dass mich die Erfahrungen in der Politik etwas nachdenklich gestimmt haben." Sie könne sich deshalb - im staatsnahen Bereich - "durchaus eine 50/50-Quote vorstellen", "einfach, um die Tür aufzustoßen". In der Privatwirtschaft könne selbstverständlich der Staat niemandem vorschreiben, welche Mitarbeiter ein Eigentümer oder Manager zu nehmen habe.

Noch keine Nachfolge

Wer neuer Vizeparteichef wird, stehe noch nicht fest, Nachbaur will auch keine Empfehlung abgeben: "Das ist die Entscheidung von Frank und der Mitgliederversammlung der Bundespartei." Ihrer Einschätzung nach sei es "um eine Spur leichter, medial vorzukommen, wenn du auch gleichzeitig Mandatar bist", aber das müsse nicht unbedingt eine Voraussetzung sein. Für ihre Nachfolgerin an der Klubspitze hingegen hat Nachbaur bereits die derzeitige geschäftsführende Klubobfrau Waltraud Dietrich vorgeschlagen: "Sie hat Hausverstand", argumentierte Nachbaur. "Das Team Stronach wird sich nächstes Jahr mit einer neuen Führung präsentieren, und meine Rolle wird vor allem die der Wirtschaftssprecherin sein."

Als inhaltliche Schwerpunkte nennt Nachbaur die "katastrophale Wirtschaftslage" und die Folgen des Hypo-Desasters. In Sachen U-Ausschuss werde man sehr konstruktiv und lösungsorientiert mitarbeiten. Die wichtigste Frage sei bis dato unbeantwortet geblieben: "Wer waren die größten Gläubiger zum Zeitpunkt der österreichischen Verstaatlichung?" Die Steuerzahler hätten ein Recht, zu wissen, "für wen sie letztlich bluten müssen". (APA, 5.1.2014)

  • "Ich war immer gegen die Quote, muss aber zugeben, dass mich die Erfahrungen in der Politik etwas nachdenklich gestimmt haben", sagt Kathrin Nachbaur.
    foto: reuters/bader

    "Ich war immer gegen die Quote, muss aber zugeben, dass mich die Erfahrungen in der Politik etwas nachdenklich gestimmt haben", sagt Kathrin Nachbaur.

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