Privatradio in Gambia nach gescheitertem Putschversuch geschlossen

4. Jänner 2015, 22:32
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Präsident wegen Verstößen gegen Meinungsfreiheit in der Kritik

Banjul - Nach dem gescheiterten Putschversuch gegen Gambias Staatschef Yahya Jammeh haben die Behörden die Schließung eines viel gehörten privaten Radiosenders verfügt. Senderchef Alagie Cessay sei zudem mehrere Stunden von der Polizei festgehalten und verhört worden, hieß es am Sonntag aus Regierungskreisen in der Hauptstadt Banjul. Er sei inzwischen auf Kaution wieder freigelassen worden.

Cessay wurde er den Angaben zufolge angewiesen "sofort seine Sendungen einzustellen". Radio Teranga ist in Gambia sehr beliebt, seit Samstag werden laut dem Bericht eines AFP-Reporters keine Sendungen mehr ausgestrahlt. Offiziell wurde von der Regierung, der von Kritikern immer wieder massive Verstöße gegen die Meinungs- und Pressefreiheit vorgeworfen werden, keine Begründung für das Verstummen des Senders gegeben.

Die Schließung von Radio Teranga erfolgte nur wenige Tage nach einem gescheiterten Putschversuch in Gambia. Diplomaten und Militärvertretern zufolge hatten abtrünnige Soldaten in der Nacht zum Dienstag den Präsidentenpalast angegriffen. Staatschef Jammeh hielt sich zum Zeitpunkt des Angriffs zu einem Privatbesuch in Dubai auf. Die Attacke wurde von seinen Sicherheitskräften abgewehrt. Jammeh machte nach der Rückkehr in sein Heimatland "terroristische Gruppe" für den Angriff verantwortlich, dutzende Menschen wurden seit dem Putschversuch festgenommen.

Der ehemalige Militärpolizist Jammeh hatte 1994 bei einem unblutigen Militärputsch den damaligen Staatschef Dawda Jawara aus dem Amt gejagt. Jawara war der erste Präsident Gambias nach der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1965. Seine Militäruniform tauschte Jammeh, der mehrmals wiedergewählt wurde, gegen vornehme afrikanische Gewänder. Er gibt sich volksnah, wird aber für die Unterdrückung der Pressefreiheit und der Opposition kritisiert. (APA, 4.1.2014)

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