"Tatort"-Forum zu "Deckname: Kidon"

Ansichtssache4. Jänner 2015, 18:03
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Österreich ist ein kleines Land. Trotzdem ist es die ganz große Weltpolitik, mit der es ein paar kleine Beamte im Wiener "Tatort: Deckname Kidon" aufnehmen.

foto: orf/petro domenigg

Moritz Eisner und Bibi Fellner, die sich einmal scherzhaft "Bibi und Moritz Bond" nennen, müssen im vermeintlichen Selbstmord eines iranischen Atomphysikers ermitteln. Er war, wie die Geliebte erzählt, "Geheimnisträger seiner Nation und ein Ehebrecher". Man muss bei diesem Satz lachen, es ist aber nicht lustig gemeint.

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foto: orf/petro domenigg

Genauso wenig wie die Tatsache, dass bald nicht nur das iranische Atomprogramm und fidele niederösterreichische Waffenschieber im Trachtenanzug ("Halali, Hallo") auftauchen, sondern auch der Mossad. Genauer: eine Spezialeinheit, die aus jener Abordnung hervorging, die nach dem Olympia-Attentat 1972 in München aktiv geworden war. Genau. Das kommt einem doch eine Nummer zu groß vor für die paar Hanseln bei der Wiener Kripo.

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Und hanebüchen noch dazu. Doch die Geschichte ist klug und wahr in ihrer Paranoia: Handys können abgehört werden, ohne dass telefoniert wird). Gut vernetzte Lobbyisten brauchen nur einen Anruf zu tätigen, um dem Ermittler einen korrupten Streifenpolizisten auf den Hals zu hetzen, der mit dem Sadismus des Kleinbürgers sein bisschen Macht an ihm auslässt.

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foto: orf/petro domenigg

Sakrosankt ist hier nur das Wohl des "Wirtschaftsstandorts". Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser legen eine Anarchie und Unaufgeregtheit an den Tag, dass es eine wahre Freude ist. Als Agentenkrimi ist diese Folge zudem recht spannend – und überrascht mit einem bösen, guten Ende, das zeigt: Wer die Guten und wer die Bösen sind, das ist nicht immer so klar zu trennen.

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foto: orf/petro domenigg

"Dr. No in Strumpfhose" ätzt Christian Buß auf spiegel.de über Udo Samel in der Rolle des Lobbyisten Trachtenfels-Lissé. Der Fall insgesamt habe "diesmal nicht die schmerzhafte Wucht und gesellschaftspolitische Dichte wie in den Folgen der letzten beiden Jahre".

Kritisch ist auch Holger Gertz auf sueddeutsche.de über den neuen Fall des österreichischen Ermittlerteams: "Die Weltverschwörung ist so gewaltig, dass Eisner und Fellner diesmal ungewohnt betulich wirken mit ihrer Wärme, ihrem Grant und ihrem Blues." (Andrea Heinz, DER STANDARD, 6.1.2014)

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