Kammerpensionen: Mehr Reformeifer 

Kommentar4. Jänner 2015, 17:57
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Solidarbeitrag von Topverdienern unter WKO-Pensionisten

Es waren noch die richtig guten Zeiten. Wer vor 1992 Mitarbeiter in der Wirtschaftskammer wurde, durfte sich noch über ein äußerst großzügiges Dienstrecht samt Pragmatisierung freuen. Nicht nur die Ruhensbezüge, sondern auch die Gehälter der aktiven Mitarbeiter lagen in Sphären, von denen die heutige Generation nur träumen kann. Mittlerweile ist das System zwar längst Geschichte, an den Folgen der historischen Anomalie kiefelt die Kammer aber noch immer.

Im neuen Jahr wird nun ein Solidarbeitrag von den Topverdienern unter den WKO-Pensionisten verlangt – zusätzlich zu den heuer bereits vom Parlament verfügten Einschnitten. Es handelt sich bei den neuen Maßnahmen aber mehr um eine symbolische Geste. Die Pensionen werden nicht gekürzt, sondern nur die Steigerungsrate. Die Mittel werden dann umgeschichtet – von den "Luxuspensionisten" zu den "normalen" Pensionisten.

So weit, so gut. Es handelt sich um eine absolut verständliche und nachvollziehbare Maßnahme. Ginge es nicht um die eigene Klientel, wäre die Kammer aber wohl nicht so zurückhaltend. Wenn es um das nur langsam steigende Pensionsantrittsalter der ASVG-Versicherten oder die hohe Zahl an Invaliditätspensionen geht, können sich die Wirtschaftsvertreter vor Reformeifer gar nicht zurückhalten. Derselbe Eifer sollte auch bei den eigenen Altpensionisten an den Tag gelegt werden. (Günther Oswald, DER STANDARD, 5.1.2015)

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