Nordkorea wettert gegen Sanktionen der USA

4. Jänner 2015, 14:19
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Strafmaßnahmen aus Washington treffen sensible Phase in neuen Gesprächsversuchen zwischen Pjöngjang und Seoul

Pjöngjang/Peking - Drei Tage nach den Aussöhnungsangeboten in der Neujahrsrede von Machthaber Kim Jong-un, die sich an Südkorea und an alle "freundschaftlich gesinnten Staaten in der Welt" richteten, fliegen zwischen Nordkorea und den USA wieder die Fetzen. Pjöngjangs Außenministerium verdammte die Sanktionen, die Washington gerade durch Präsidentenerlass verhängen ließ.

Den von der USA genannten Grund, dass Nordkorea hinter den Cyberattacken auf den Sony-Filmkonzern wegen dem satirischen Film "Interview" stecke, nannte ein Sprecher in Pjöngjang einen unhaltbaren Vorwurf und "Vorwand für die einseitige Aktion." Mit ihren Sanktionen würden die USA Nordkorea "nicht schwächen können." Sie würden es nur in seiner Entschlossenheit bestärken, "sein Militär vorrangig auszubauen."

Nordkoreas Nachrichtenagentur KNCA verbreitete die Erklärung am Sonntag auf ihrer Webseite. Dort heißt es weiter: "Die USA treten eine lärmende Kampagne los, mit der Absicht, den Cyberterror Nordkorea in die Schuhe zu schieben."

Zugleich aber lehnten sie Nordkoreas "gerechten Vorschlag ab, in einer gemeinsamen Untersuchung, die Wahrheit herauszufinden", wer hinter dem Angriff steckt. Mit solch widersprüchlichem Verhalten "enthüllen sie ihre bösartigen Absichten, hinter denen sich ein schuldiges Gewissen verbirgt." Zugleich gab der Sprecher zu verstehen, dass es die Sony-Studios sehr wohl verdienten, attackiert zu werden. Inhalt des umstrittenen Polit-Klamauk ist ein Attentat auf Nordkoreas Führer Kim. Sony habe einen "abstoßenden Film produziert, der offen zum Terrorismus gegen einen souveränen Staat agitiert."

Erst kürzlich Annäherung

Präsident Obama hatte die neuen US-Sanktionen als Teil der von ihm angekündigten Strafen für Nordkoreas "zahlreiche Provokationen" bezeichnet. Die US-Regierung nennt nun sowohl den Geheimdienst, zwei Handelskonzerne als auch zehn hohe Funktionäre Nordkoreas beim Namen. Sie dürfen künftig keinerlei Finanzgeschäfte mehr in oder mit den USA und deren Bürger machen.

Das aktuelle Propagandagetöse zwischen Nordkorea und den USA übertönt die erst vier Tage alte spektakuläre Annäherungsoffensive in der Neujahrsansprache von Kim. In der Rede, in der er viermal sein hochgerüstetes, nuklear bewaffnetes Land für "unbesiegbar" erklärte, ging er mit seinen Aussöhnungsangeboten an den verfeindeten Bruderstaat Südkorea über einen ähnlichen Appell im Jahr zuvor weit hinaus. Damals hatte er vorgeschlagen, von sofort an auf Schimpftaraden zu verzichten, um eine Atmossphäre des Dialogs zu schaffen. Pjöngjangs Regime hielt sich nur kurz daran, bevor es seine Schmährufe gegen Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye fortsetzte.

Schäden für den Dialog

Diesmal sagte Kim: "Es gibt keinen Grund, warum wir nicht ein Gipfeltreffen abhalten sollten." Das Angebot erregte in der Sylvesternacht Aufsehen. Wer die jetzt von KCNA vollständig übersetzte Rede nachliest, findet aber mehrere Punkte, die Kim als Voraussetzungen ansieht. So verlangt er etwa als Vorleistung, dass die jährlichen gemeinsamen Militärmanöver von USA und Südkorea beendet werden. "Es ist unnötig zu sagen, dass in einer solchen Schreckensatmossphäre kriegerischer Manöver, die sich gegen einen Dialogpartner richten, es weder einen vertrauensvollen Dialog noch verbesserte innerkoreanische Beziehungen geben kann."

Südkoreas Präsidentin Park hat Kims Vorschlag zum Gipfelgespräch inzwischen begrüßt. Sie hat UN-Generalsekretär Ban Ki-moon gebeten, den Vermittler zu spielen, damit das Treffen zustande kommt. Sie machte zugleich deutlich, dass Seoul an den Manövern mit den USA festhält und auch deren jüngste Sanktionen gegen die "Provokationen Nordkoreas" unterstützt. Der Ball ist wieder bei Kim gelandet. (Johnny Erling, derStandard.at, 4.1.2015)

  • Ein südkoreanisches Magazin versucht dem neuen Streit zwischen den USA und Nordkorea humoristische Aspekte abzugewinnen.
    foto: ap / ahn young-joon

    Ein südkoreanisches Magazin versucht dem neuen Streit zwischen den USA und Nordkorea humoristische Aspekte abzugewinnen.

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