Blink: Die wahre Herkunft des meistgehassten HTML-Tags

4. Jänner 2015, 09:35
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Netscape-Entwickler Lou Montulli plaudert Hintergrund aus, lehnt ihm zugeschriebene Verantwortung ab

Welch bessere Art könnte es geben, wirklich wichtige Inhalte hervorzuheben, als sie dauerhaft blinken zu lassen? So oder so ähnlich dürfte in den Frühjahren des Webs die Überlegungen zahlreicher Entwickler ausgehen haben, also griffen sie zum HTML-Tag <blink>. Und das nicht zu selten: Ab Mitte der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts entwickelten sich solche Passagen zur regelrechten Plage im Web, <blink> wurde zum wohl meistgehassten HTML-Tag der Geschichte.

Hintergrund

Wer glaubt, dass so eine Idee nur im Vollrausch entstehen kann, könnte damit durchaus richtig liegen. In einem Blog-Eintrag liefert der ehemalige Netscape-Entwickler Lou Montulli die Hintergründe - und lehnt dabei auch gleich all die ihm immer wieder zugeschriebene Verantwortung ab.

Scherze

Es war der Spätsommer 1994 als eine Gruppe von Netscape-Entwicklern in eine Bar im kalifornischen Mountain View schritten, und schnell auf ihre aktuelle Arbeit zu sprechen kamen. HTML Tables, SSL, Plugins und JavaScript - all die Dinge die das Web die nächsten Jahre prägen sollten, waren damals bei Netscape in Entwicklung. Irgendwann erwähnte einer der Entwickler, dass es eigentlich sehr schade sei, dass der textbasierte Lynx-Browser all dies nicht mehr darstellen können - gefolgt von dem Scherz Montullis, dass bei diesem wohl blinkender Text als einziges Highlight möglich wäre.

grafik. red
Blink: Ein HTML-Tag wie ein einziger Kopfschmerz.

Die Nacht schritt voran, dem Alkohol wurde eifrig zugesprochen. Um so größer war die Verblüffung des Entwicklers als er am nächsten Tag ins Netscape-Büro kam: Das was am Vorabend noch ein Scherz war, war plötzlich Realität. Wie sich herausstellte hatte ein anderer Netscape-Entwickler die Bar frühzeitig verlassen, und den <blink>-Tag über Nacht implementiert.

Easter Egg

Schnell entschloss man sich dazu, das Ganze als eine Art "Easter Egg" versteckt im Code von Netscape zu belassen. Doch obwohl <blink> in der offiziellen Dokumentation zu Netscape 1.0 keinerlei Erwähnung fand, spürten ihn findige Web-Entwickler bald auf - und das Unheil nahm seinen Lauf. Innerhalb kürzester Zeit verbreitete sich das Blinken wie ein Virus im Web.

Anonym

Montulli betont, dass er selbst - obwohl ihm die Entwicklung immer wieder zugeschrieben wird - nie eine einzige Zeile Code für den HTML-Tag geschrieben hat. Er mag zwar unabsichtlich die Inspiration geliefert haben, verantwortlich sei aber ein anderer Entwickler - der es jedoch vorzöge anonym zu bleiben. Mittlerweile haben sich aber ohnehin alle Browserhersteller vom Blinken verabschiedet - selbst der indirekte Netscape-Nachfolger Firefox unterstützt dieses Element seit der Version 23 nicht mehr. Freilich gibt es noch immer viele andere Möglichkeiten, ein solches Verhalten auszulösen, wie auch Google mit einem kleinen Easter Egg demonstriert. (red, derStandard.at, 4.1.2015)

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