Führung der "Alternative für Deutschland" zerstritten

3. Jänner 2015, 21:23
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Funktionäre fordern AfD-Parteichef Lucke in Brief zu "offenem Gespräch" auf

Berlin - Der Führungsstreit bei der Partei Alternative für Deutschland (AfD) hat sich verschärft. Mehrere Funktionäre haben den Parteivorsitzenden Bernd Lucke in einem Brief scharf angegriffen und ein "offenes und ehrliches Gespräch" von ihm verlangt, wie "Spiegel-Online" am Samstag berichtete.

In dem dreiseitigen Schreiben werde Lucke unter anderem "Führung nach Gutsherrenart" vorgeworfen. Der stellvertretende AfD-Vorstand Hans-Olaf Henkel stellte sich allerdings demonstrativ hinter Lucke.

Differenzen

Der brandenburgische AfD-Vize Alexander Gauland hingegen sagte der "Welt am Sonntag", es sei mehrmals versucht worden, die Differenzen über die Führungsstruktur im Vier- oder Sechs-Augen-Gespräch mit Lucke zu klären. "Nie kam eine Terminabsprache mit ihm zustande. Darum haben wir diesen Brief geschrieben."

Nach Informationen der "Welt" kanzelte Lucke seine beiden Ko-Sprecher Konrad Adam und Frauke Petry, die laut "Spiegel" zu den Unterzeichnern des Briefes gehören, im zurückliegenden Jahr mehrmals schroff ab. Statt auf deren Bitte um eine Aussprache im Streit über die künftige Satzung der Partei einzugehen, habe Lucke die Kreisvorsitzenden zu einer gesonderten Konferenz über das Thema nach Frankfurt eingeladen, bevor er sich in den Ski-Urlaub verabschiedet habe.

Dem "Spiegel" zufolge ist in dem Brief von "Drohungen" die Rede und von Aktionen "ohne Rücksprache" mit dem Parteivorstand. Am Ende des Schreibens werde Lucke ein Gesprächstermin genannt: Er solle sich am 18. Jänner um 9.00 Uhr in Frankfurt am Main einfinden. Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören demnach neben Petry, Adam und Gauland auch die Europaabgeordneten Beatrix von Storch und Marcus Pretzell.

Henkel sagte dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag", er sei es "leid, dass die Partei immer wieder so ein schlechtes Bild in der Öffentlichkeit abgibt, weil die drei Sprecher Gegensätzliches von sich geben". Das Modell mit drei Sprechern habe sich "nachhaltig nicht bewährt". Die Vielstimmigkeit der vergangenen Wochen liefere "den Beweis dafür, dass Lucke richtig liegt", sagte Henkel.

Der parteiinterne Machtstreit bei der Partei der Euro-Kritiker gärt seit Wochen. Bisher stehen drei Vorstandssprecher gemeinsam an der Spitze der AfD: Lucke, Petry und Adam. Lucke will aber den alleinigen Vorsitz übernehmen. Über die Neuordnung soll ein Parteitag in Bremen Ende Jänner entscheiden. (APA, 3.1.2015)

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