Ebola-Verdachtsfall wird in Berlin behandelt

3. Jänner 2015, 16:03
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Das Mitglied eines medizinischen Helferteams aus Südkorea wurde in eine Sonderisolierstation gebracht

Freetown/Conakry/Monrovia - In Berlin gibt es einen neuen Ebola-Verdachtsfall. In die Sonderisolierstation der Berliner Charite wurde nach Angaben der Klinik Samstag früh das Mitglied eines medizinischen Helferteams aus Südkorea eingeliefert. Die Helfer kümmern sich im westafrikanischen Sierra Leone um Menschen, die an der meist tödlich verlaufenden Ebola-Seuche erkrankt sind.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte um deutsche Hilfe ersucht, die umgehend zugesagt wurde. Die WHO stufte den Fall nach den Worten von Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja als dringend ein. Eine Gefahr für die Berliner Bevölkerung besteht Czaja zufolge nicht.

Kein Fieber, guter Zustand

Nach einem unmittelbaren Kontakt mit einem an Ebola Erkrankten besteht nach den Worten des Senators die Möglichkeit, dass die Person aus Südkorea sich angesteckt hat. Klinik-Direktor Ulrich Frei und der Oberarzt der zuständigen Station, Frank Bergmann, wiesen aber darauf hin, dass der oder die Betroffene bisher keinerlei Erkrankungssymptome zeige. Die Person sei "in einem sehr guten Allgemeinzustand" und habe kein Fieber. "Es besteht durchaus eine gute Chance, dass die Infektion nicht auftritt", folgerte Bergmann. Das allerdings ändere nichts an dem Risiko einer Erkrankung.

"Die Person kommt zur Diagnostik nach Deutschland und sie wird für die Dauer der Inkubationszeit in der Charite bleiben. Diese beträgt aller Voraussicht nach drei Wochen", sagte Czaja. Die Charite ist - ähnlich wie Kliniken in Hamburg, Frankfurt und Leipzig, an denen bereits drei Ebola-Fälle behandelt wurden - mit einer Sonderisolierstation mit insgesamt 20 Betten ausgerüstet.

Mit Nagel an Finger verletzt

Über die Identität der Person, ihr Geschlecht, ihren Arbeitgeber sowie Einsatzort in Sierra Leone wollten die Berliner Ärzte keine genaueren Angaben machen. Das sei auch der Wunsch der südkoreanischen Regierung. Das Team-Mitglied aus Südkorea habe sich bei der Behandlung eines Ebola-Kranken, der kurze Zeit später gestorben sei, mit einer Nadel am Finger verletzt. Vorsichtsmaßnahmen seien umgehend ergriffen worden. Dennoch sei "ein sehr hohes Ansteckungsrisiko" gegeben, ordnete Bergmann den Fall ein.

Nach dem Hilfsersuchen und der Zusage aus Deutschland wurde die Ebola-Verdachtsperson in einem US-Spezialflugzeug nach Deutschland gebracht.

Ebola grassiert in Westafrika und war Anfang 2014 im Südosten Guineas aufgetreten. Inzwischen hat sich die Seuche in sechs westafrikanischen Ländern verbreitet. Am stärksten betroffen sind Guinea, Sierra Leone und Liberia, wo sich 20.000 Menschen mit Ebola angesteckt haben und fast 8.000 Menschen daran gestorben sind. In Deutschland wurden bisher drei Ebola-Patienten behandelt, einer von ihnen verstarb. (APA, 3.1.2014)

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