Kämpfe um Häfen in Libyen

3. Jänner 2015, 15:43
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Bislang war die Hafenstadt Misrata von den Kämpfen im Land weitgehend verschont geblieben

Tripolis - In Libyen haben sich Truppen der beiden rivalisierenden Regierungen am Samstag heftige Gefechte um die Hafenstadt Misrata geliefert sowie um Al-Sider, den größten Ölhafen des Landes. Erneut sei der Handelshafen von Misrata von Kampfjets angegriffen worden, teilte ein Luftwaffenkommandeur der international anerkannten Regierung unter Ministerpräsident Abdullah al-Thinni mit. Zudem sei eine Militärakademie in Misrata, das im Westen des Landes liegt, getroffen worden. Auch eine staatliche Nachrichtenagentur der Gegenregierung berichtete über die Luftangriffe. Raketen seien in ein Hafengebäude eingeschlagen, mehrere Menschen seien verletzt worden.

Die Stadt Misrata ist mit jener Gruppe verbunden, die die Regierung und das gewählte Parlament aus Tripolis vertrieben hat. Sie liegt rund 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis und hat einen großen Hafen sowie eine Freihandelszone. Bislang war Misrata von den Kämpfen in dem nordafrikanischen Land weitgehend verschont geblieben.

Ringen um Macht

Einheiten, die loyal zu Thinni stehen, haben zudem rivalisierende Truppen angegriffen, die vor drei Wochen versucht hatten, den Ölhafen Al-Sider im Osten Libyens zu übernehmen. Ein Sprecher der Thinni-Truppen sagte, die Soldaten seien gegen Kämpfer vorgegangen, die Stellungen in Ben Dschawad, rund 40 Kilometer westlich des Hafens, hielten. Al-Sider und der benachbarte Ölhafen Ras Lanuf sind seit Beginn der Kämpfe geschlossen.

Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi 2011 ist es in Libyen nicht gelungen, neue Sicherheitsstrukturen aufzubauen. Derzeit ringen zwei Regierungen und Parlamente um die Macht in dem erdölreichen nordafrikanischen Staat. Die eine Führung hat sich im nordwestlichen Tripolis formiert, nachdem die Hauptstadt im August von einer Milizen-Gruppe namens Libysche Morgenröte erobert worden war. Die international anerkannte Regierung unter Al-Thinni und das mit ihm zusammenarbeitende Parlament haben sich ins nordöstliche Tobruk geflüchtet. (APA, 3.1.2014)

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