Lawinensituation in West-Österreich laut Experten weiter "heikel"

3. Jänner 2015, 10:06
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Neuschnee und Sturm sorgen auch in den kommenden Tagen für gefährliche Situation in Tirol und Vorarlberg

Innsbruck - Die Experten des Landes haben die Lawinengefahr in Tirol am Samstag weiterhin als "heikel" eingestuft. Oberhalb von etwa 2.100 Metern blieb sie "erheblich", also die Stufe "3" der fünfteiligen Gefahrenskala, darunter mäßig beziehungsweise im südlichen Osttirol gering. Neuschnee und Sturm werden auch in den kommenden Tagen für eine gefährliche Situation sorgen, hieß es.

Mit dem zu erwartenden Regen werde die Gefahr in den neuschneereicheren Regionen im Norden auch in tiefen und mittleren Höhenlagen auf erheblich ansteigen, hieß es. Vermehrt sei dann mit Gleitschneerutschen aus steilen Wiesenhängen zu rechnen. Zahlreiche Lawinenabgänge während der vergangenen Tage, Setzungsgeräusche, zum Teil sehr gute Sprengerfolge würden leider weiterhin auf eine durchwegs "heikle" Lawinensituation hinweisen, so die Experten.

Gefahrenstellen waren oberhalb von etwa 2.100 Metern in allen Hangrichtungen zu finden. Es reiche bereits geringe Belastung aus, um Schneebrettlawinen auszulösen. Eine erhöhte Auslösebereitschaft gab es an Übergangsbereichen von wenig zu viel Schnee im sehr steilen Gelände. Im Tagesverlauf würden sich zudem neue Triebschneeansammlungen bilden.

Warnung auch in Vorarlberg

Auch in Vorarlberg war die Lawinengefahr am Samstag weiter erheblich (Stufe 3). Gefahrenstellen befanden sich nach Angaben der Landeswarnzentrale oberhalb von 2.000 Metern, bereits einzelne Wintersportler könnten Lawinen auslösen. Für Aktivitäten abseits der gesicherten Pisten war Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr notwendig.

Der Wetterentwicklung zufolge - prognostiziert waren Neuschnee und Sturm - werde die Lawinengefahr noch ansteigen, erklärte Bernhard Anwander von der Landeswarnzentrale. Der Wettersturz sollte ab Mittag einsetzen.

Snowboarder sind geflüchtet

Erst am Freitag ging eine Lawine am Mölltaler Gletscher ab. Drei Snowboarder dürften das Schneebrett ausgelöst haben, das zwölf Menschen mit sich gerissen hat. Sie sind nach wie vor nicht bekannt, haben sich auch nicht gemeldet, sondern verließen das Einsatzgebiet nahezu fluchtartig. Die Suche nach eventuellen weiteren Verschütteten wurde am späten Abend beendet, es befand sich niemand mehr unter dem Schnee.

Die drei Snowboarder waren ebenfalls von dem laut Polizei gut 400 Meter breiten Schneebrett mitgerissen worden, konnten sich aber selbst befreien und fuhren sofort ab. Sieben Mitglieder einer österreichischen Gruppe und zwei deutsche Urlauber, die Opfer des Lawinenabganges geworden waren, wurden von der Polizei zum Unfallhergang befragt. Sie alle kamen glimpflich davon, es gab laut Rotem Kreuz insgesamt nur drei Leichtverletzte.

Bis zum späten Abend suchten 160 Einsatzkräfte den Lawinenkegel ab, um sicherzugehen, dass sich niemand mehr unter den Schneemassen befand. Das Einsatzgebiet wurde von Spezialscheinwerfern der Feuerwehr Heiligenblut und der Bergrettung Mallnitz ausgeleuchtet. Die Helfer fanden zahlreiche Ausrüstungsgegenstände wie Skier, Stöcke oder Handschuhe, sie stammten aber allesamt von den bereits befreiten Personen. Das Schneebrett war ungewöhnlich groß, der sogenannte Anriss, also jene Stelle, an der das Schneebrett wegbricht, war bis zu 80 Zentimeter hoch, die Länge des Lawinenkegels wurde von der Polizei mit mehr als einem Kilometer angegeben. (APA, 3.1.2015)

  • Ein Lawinenabgang am Mölltaler Gletscher in der Gemeinde Flattach in Oberkärnten hat am Freitag letztlich ein glimpfliches Ende genommen.
    foto: apa/polizei/wucherer

    Ein Lawinenabgang am Mölltaler Gletscher in der Gemeinde Flattach in Oberkärnten hat am Freitag letztlich ein glimpfliches Ende genommen.

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