Mutmaßliches Al-Kaida-Mitglied vor Prozessbeginn in USA gestorben

3. Jänner 2015, 19:25
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Al-Libi soll Anschläge auf US-Botschaften 1998 geplant haben

New York - Vor Beginn des Prozesses um die verheerenden Anschläge auf US-Botschaften in Ostafrika 1998 ist einer der Angeklagten in den USA gestorben. Das mutmaßliche Al-Kaida-Mitglied Abu Anas al-Libi starb am Freitag in einem Spital bei New York, bestätigte die Staatsanwaltschaft am Samstag. Der Libyer, der bei einer umstrittenen US-Kommandoaktion gefasst worden war, litt an Leberkrebs und Hepatitis C.

Staatsanwalt Preet Bharara schrieb in einem Brief an den für den Prozess zuständigen Richter, Libi sei am Mittwoch aufgrund von "plötzlich auftretenden Komplikationen seiner lange andauernden medizinischen Probleme" in ein New Yorker Krankenhaus gebracht worden. "Wir schreiben nun, um dem Gericht mitzuteilen, dass sich sein Zustand trotz der Versorgung im Krankenhaus rasch verschlechterte, und Libi gestern (Freitag) Abend verstarb."

Leberkrebs

Zuvor hatte Libis Anwalt Bernard Kleinman der "Washington Post" vom Tod seines Mandanten berichtet. Demnach verschlechterte sich Libis Gesundheitszustand im vergangenen Monat. Er habe an Leberkrebs in fortgeschrittenem Stadium gelitten. Libis Sohn Abdel Mouin sagte dem US-Fernsehsender CNN aus der libyschen Hauptstadt Tripolis, sein Vater habe vor seinem Tod im Koma gelegen. Die Familie mache die US-Regierung für den Tod "voll verantwortlich".

Der 50-Jährige soll einer der Drahtzieher der Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania gewesen sein, bei denen am 7. August 1998 insgesamt 224 Menschen getötet und mehr als 5.000 verletzt wurden. Nach Erkenntnissen der US-Justiz spähte er die Botschaften seit 1993 aus. Der Computerexperte stand auf der Liste der meistgesuchten Verdächtigen der US-Bundespolizei FBI. Auf seine Festnahme war eine Belohnung von fünf Mio. US-Dollar (ca. 4 Mio. Euro) ausgesetzt.

Libi und der saudi-arabische Geschäftsmann Khalid al-Fauwas sollten sich vom 12. Jänner an wegen der Anschläge in Nairobi und Dar es salaam vor einem Gericht in New York verantworten. Beide plädierten auf nicht schuldig. Laut Libis Anwalt Kleinman hatte sich sein Mandant vor den Anschlägen von Al-Kaida losgesagt. Ein dritter Verdächtiger, der Ägypter Adel Abdel Bari, hatte sich im vergangenen Jahr schuldig bekannt, an den Anschlägen beteiligt gewesen zu sein.

US-Spezialkräfte hatten Libi, der mit richtigem Namen Nasih Abdul Hamed al-Raghie hieß, am 5. Oktober 2013 vor seinem Haus in Tripolis festgenommen und auf ein US-Kriegsschiff im Mittelmeer gebracht. Eine Woche später wurde er dem FBI übergeben, das ihn während des Flugs nach New York verhörte. Dabei befand sich Libi nach eigenen Angaben im Hungerstreik, weshalb seine damals gemachte, ihn selbst belastende Aussage ungültig sei.

Ermittler sagten dem Gericht, Libi habe sie während des Flugs über seinen Hungerstreik informiert. Der Libyer sei an eine Infusion angeschlossen worden und habe unter medizinischer Aufsicht gestanden. Er sei bei Bewusstsein gewesen, habe seine Rechte verstanden und habe zu keinem Zeitpunkt verwirrt gewirkt, sagte der Ermittler George Corey. Libyen hatte den USA nach der Festnahme Libis Entführung vorgeworfen und seine Auslieferung gefordert. (APA, 3.1.2015)

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