Wer einen Hit landen will, sollte auf ausgefallene Instrumente verzichten

3. Jänner 2015, 18:00
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Wiener Komplexitätsforscher untersuchten das kommerzielle Auf und Ab verschiedener Musikstile

Wien - Da feilen Musiker im Studio wochenlang an einzigartigen Arrangements, um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden, und dann das: Wer im Großraumbereich Pop samt aller verwandten Genres kommerziell erfolgreich sein will, der sollte eine einfache Besetzung wählen, empfehlen Wiener Komplexitätsforscher. Denn je mehr und ausgefallenere Instrumente verwendet werden, umso schlechter sind die Verkaufszahlen, berichten sie im Fachmagazin "PLOS ONE" (Ausnahmen dürften auch hier die Regel bestätigen).

Die Untersuchung

Stefan Thurner und sein Team vom Institut für Wissenschaft komplexer Systeme der Medizinischen Universität Wien untersuchten, welche und wie viele verschiedene Instrumente zwischen 1955 und 2011 auf den Alben von 374 populären Musikstilen zu hören waren. Sie nutzten dabei die Online-Datenbank "Discogs" mit Daten von mehr als 500.000 Künstlern und ebenso vielen Alben. Dabei unterschieden sie Musikstile von niedriger "instrumentaler Komplexität" und jene Stile, die eine große Vielfalt an Instrumenten verwenden, welche auch kaum in anderen Musikrichtungen zu hören sind.

Bei manchen Musikrichtungen änderte sich die instrumentale Komplexität während dieser gut 50 Jahre dramatisch, bei manchen kaum, berichten sie. So seien New Wave- und Disco-Musik in den 1970er Jahren auf der Komplexitätsleiter rasch nach oben geklettert und kurz darauf wieder auf ein niedrigeres Level gefallen. "Andere Stile wie Folk Rock blieben jedoch auf konstant hohen Komplexitäts-Stufen", erklärten die Wissenschafter.

"Immer formelhafter"

Entwickelt sich ein neuer Stil, springen immer mehr Musiker auf und die Vielfalt der Instrumente steigt, fanden sie heraus. Die Verkaufszahlen kletterten jedoch typischerweise dann in die Höhe, wenn die instrumentale Komplexität abnimmt. "Die Musik wird in Bezug auf die Instrumentation also immer schematischer und formelhafter, sobald der kommerzielle Erfolg einsetzt und ein Stil zum Mainstream wird", meint Thurner. (APA/red, derStandard.at, 3. 1. 2015)

  • Auf einen kurzen Nenner gebracht: Wer die Hitparade stürmen will, sollte in Sachen Arrangements in etwa das Gegenteil von dem tun, was Björk macht.
    foto: reuters/toru hanai

    Auf einen kurzen Nenner gebracht: Wer die Hitparade stürmen will, sollte in Sachen Arrangements in etwa das Gegenteil von dem tun, was Björk macht.

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