Im Skriptorium des Bösen

3. Jänner 2015, 17:00
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Damien Kempf stellt mittelalterliche Illustrationen auf Twitter aus

Mönche mit blankem Hinterteil, die frömmlerisch zu Kreuze kriechen, Bischöfe, deren Häupter aus Schneckenhäusern wachsen, bekrönte Äffchen in Herrscherpose. All das sind Darstellungen, die Damien Kempf auf Twitter versammelt. Das macht er quasi von Berufs wegen.

Der Brite ist an der Universität Liverpool Spezialist für mittelalterliche Handschriften. Deren Illustrationen verhelfen den Skripten nicht nur zu gestalterischer Pracht, sondern üben auch deftige Kritik an den Zuständen im Klerus und in der Welt. Keineswegs also waren die Mönche im Skriptorium bloß fromme Diener des Herrn. Immer wieder macht Kempf erstaunliche Entdeckungen, die vor allem eines zeigen: Gute Satire hat kein Ablaufdatum. (sts, DER STANDARD, 3./4.1.2015)

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