Jeb Bush: Ein Bruder auf Rettungsmission für die Familienehre

Kopf des Tages2. Jänner 2015, 17:52
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Der jüngere Bruder von Expräsident George W. lässt mit immer neuen Ankündigungen einer Kandidatur aufhorchen

Zumindest die Medien hat Jeb Bush, der jüngere Bruder von Ex-Präsident George W., richtig eingeschätzt: Etwa im Zweiwochentakt veröffentlichte er zuletzt unmissverständliche Ankündigungen, 2016 bei den Präsidentenwahlen antreten zu wollen – ohne allerdings offiziell seine Kandidatur zu bestätigten.

Auf die Begeisterung der Amerikaner für Dynastien ist Verlass: Auf jede Ankündigung folgen große Berichte, die Geld in die Wahlkampfbörse des 61-jährigen Ex-Gouverneurs von Florida spülen. Der Familienehre trägt auch der Rufname des dreifachen Vaters Rechnung: "Jeb" ist eine Abkürzung der Initialen für John Ellis Bush, den Nachnamen trägt der republikanische Hoffnungsträger quasi doppelt.

Dabei hat sich die Prominenz für ihn auch schon öfter mehr als Fluch denn als Segen erwiesen: 1994 verlor er die Gouverneurswahl in Florida auch wegen der Erinnerungen an die Amtszeit seines Vaters George H. W. als US-Präsident. Bei seinem Antritt 1998 löste er sich von alten republikanischen Positionen, borgte rhetorisch bei den Demokraten – und gewann.

"Too close to call"

In seine Regierungszeit fällt auch die umstrittene Wahl seines Bruders George W. zum US-Präsidenten. Vorwürfe, Jeb sei an den Problemen bei der Wahl im entscheidenden Bundesstaat Florida mitschuldig gewesen, blieben letztlich nicht an ihm hängen.

Jebs eigenen Ambitionen hat der Sieg seines Bruders jedenfalls eher geschadet. Nach dessen desaströser Regierungszeit war an eine Kandidatur 2008 nicht zu denken. Er reagierte mit einer weiteren Neuer findung des Kandidaten Jeb: Der Absolvent ei- nes Lateinamerika-Studiums, der seine Frau Columba als Austauschstudent in Mexiko kennenlernte, machte die Zustimmung zu liberaler Einwanderungspolitik zum Markenzeichen.

Beobachter sehen ihn – das zweite von fünf lebenden Kindern von Präsident George H. W. – als Bindeglied zu den Hispanic-Wählern, die zuletzt zu den Demokraten neigten. Die Entspannung zwischen den USA und Kuba hat er mit Blick auf Floridas konservative Exilkubaner trotzdem als "Fehltritt" bezeichnet.

Ob Jeb der moderate Republikaner ist, den er bemüht ist darzustellen, bezweifeln viele Demokraten. Sie erinnern daran, dass sich auch George W. einst als Integrationsfigur präsentierte. Auch Jeb gilt außenpolitisch als interventionsfreudig. In Umfragen zu den republikanischen Vorwahlen scheint das Image zu helfen: Diese sehen ihn knapp voran. (Manuel Escher, DER STANDARD, 3./4.1.2015)

  • John Ellis "Jeb" Bush bei einer Diskussionsveranstaltung Anfang Dezember.
    foto: reuters / jonathan ernst

    John Ellis "Jeb" Bush bei einer Diskussionsveranstaltung Anfang Dezember.

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