Hightech gegen den Schlabberlook

2. Jänner 2015, 17:43
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Österreichische Textilgruppe Kufner hält Männeranzüge weltweit in Form

Wien - Ein gutes Sakko, sagt Paul Niederkofler, springt zurück in seine Form und hängt niemals wie ein nasser Fetzen an seinem Träger, selbst wenn es wie Papier zerknüllt wird. Der Manager und Berater, der sich einst in Handelsketten wie Niedermeyer, Cosmos und Forstinger einbrachte, ist mit dem Innenleben von Anzügen gut vertraut. Der Grund dafür ist der stille Weltmarktführer aus Weißkirchen in der Steiermark, Kufner.

150 Jahre lang stand das Unternehmen in deutschem Familienbesitz, wuchs von einer Wattefabrik zu einem der weltweit führenden Spezialisten für Einlagestoffe heran. Bis es 2011 zu finanziellen Turbulenzen und in der Folge zu einem Eigentümerwechsel kam.

Kufner gehört mittlerweile Österreichern: einem Fonds rund um Niederkofler, der sich die Anteile am Textilbetrieb mit institutionellen und privaten Investoren teilt. Seither seien die Jahresergebnisse wieder ordentlich und die Finanzverbindlichkeiten abgebaut, versichert Niederkofler. Ins öffentliche Licht rückt der Spezialist für Herrenkonfektion seine Arbeit jedoch nach wie vor nicht. Auch wenn es international wenige Markenanzüge für Männer gibt, die ohne seine technischen Zutaten auskommen; es sei denn, sie pflegen schlampigen Schlabberlook mit Falten.

Stabile Beine

Gefertigt wird in Deutschland, Österreich, der Slowakei und China. Kufner zählt 500 Mitarbeiter, 130 arbeiten in der 1300-Einwohner-Gemeinde Weißkirchen, die als Know-how-Schmiede der Textilgruppe dient. Von Vietnam über Indien bis nach Marokko ist ein Netz an 80 Vertriebsniederlassungen gespannt. Niederkofler gab in Deutschland Teile der Produktion auf und baute in Österreich zehn Prozent der Belegschaft ab. Parallel dazu seien aber neue Märkte erschlossen und die Effizienz erhöht worden, sagt er und sieht den seit 1959 bestehenden Standort in der Obersteiermark auf stabilen Beinen. Im Vorjahr sei neben den Geschäften in China, wo seit 2006 gefertigt wird, auch der Markt in Europa gewachsen. Der Umsatz erreichte 80 Millionen Euro.

Es sind spezielle Beschichtungen und Klebstoffmischungen, die Kufner in der hart umkämpften Textilbranche das Überleben sichern. Reihenweise sperrten Fabriken in Europa im vergangenen Jahrzehnt zu, tausende Jobs gingen verloren. Im Wettlauf gegen die Billigkonkurrenz aus Asien wurde Tradition oft zum Hemmschuh. Nur Hightech und kluge Standortpolitik verhinderten den völligen Fadenriss im Westen.

Kufner versucht es mit seinen technischen Spezialitäten neben der Modeindustrie längst auch in anderen Sparten. Gut ein Zehntel des Geschäfts steuern etwa Textilien für beheizbare Autositze bei. Dafür werden elektrisch leitfähige Fäden auf Vlies aufgebracht. Wer sich in der Prager Kathedrale aufs Kirchenbankerl setzt, den wärmt ebenso Know-how der Steirer. Mit beheizbaren Rasen für Fußballfelder gegen Schnee und Eis wird im Kleinen noch experimentiert. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 3.1.2015)

  • Anzüge haben es in sich - etwa Know-how aus Weißkirchen.
    ap, luca bruno

    Anzüge haben es in sich - etwa Know-how aus Weißkirchen.

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