Was man nicht spielen kann

2. Jänner 2015, 17:36
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Im Rahmen der Reihe Cirque Noël zeigt der schwedische Cirkus Cirkör im Grazer Orpheum "Underart: Ode to a Crash Landing" – ein Stück über das Glück im Unglück

Graz – Der Philosoph Ernst Bloch bezeichnete den Zirkus einmal als die "einzig ehrliche, bis auf den Grund ehrliche Darbietung" der Kunst. Worauf Bloch hin auswollte, ist, dass Zirkusartisten nicht wie Theaterdarsteller "spielen" können. Man kann zum Beispiel auf einem Hochseil nicht so tun, als ob man balanciere. Entweder man balanciert, oder man balanciert nicht.

In dieser körperlichen Unmittelbarkeit liegt ein besonderer Reiz des Zirkus. Vor allem dort, wo akro batische Höchstleistungen und Nervenkitzel nicht Selbstzweck sind, sondern verwendet werden, um Geschichten zu erzählen. Genau darin liegt etwa ein Erfolgsgeheimnis des Cirque de Soleil. Das kanadische Unternehmen ist der wohl prominenteste Vertreter des sogenannten Cirque Nou veau. Noch interessanter sind die Ansätze, die sich abseits von Riesenshows dem Theater annähern.

Ein schwedischer Vertreter solcher zeitgenössischer Zirkuskunst ist dieser Tage in Graz zu Gast. Der 1995 in Stockholm gegründete Cirkus Cirkör zeigt im Orpheum noch bis 6. Jänner sein Stück Underart: Ode to a Crash Landing. Den Rahmen bietet die seit 2008 veranstaltete Weihnachtsreihe Cirque Noël – die winterliche Ausgabe des Straßenkunst-Festivals La Strada.

"Ode an eine Bruchlandung" bezieht sich auf die wahre Geschichte von Regisseur Olle Strandberg. Nach einem Unfall 2005 war der Artist vom Hals an abwärts gelähmt. Doch er hatte Glück: Seit 2011 ist Strandberg wieder gesund.

Sein optimistisches Stück reinszeniert nun allerdings keine tragischen Ereignisse, sondern beschäftigt sich mit den po sitiven Aspekten, die ein Totalzusammenbruch trotz allem bringen kann. Zwischen Street-Dance, Partnerakrobatik und poetischen Bildern erforschen sieben Performer zu Live-Musik ihre je eigenen Zugänge zum Thema Hinfallen und Wiederaufstehen. (Roman Gerold, DER STANDARD, 3./4.1.2015)

Cirkus Cirkör – Underart: Ode to a Crash Landing Orpheum Graz, Orpheumgasse 8, 8020 Graz, Tickets unter 0316/8000 oder tickets@ticketzentrum.at.

Täglich bis 6. Jänner. 19.00, am 6. Jänner um 15.00

  • In seiner "Ode an eine Bruchlandung" beschäftigt sich der schwedische Cirkus Cirkör mit dem Neubeginn nach dem Zusammenbruch.
    foto: mattias edwall

    In seiner "Ode an eine Bruchlandung" beschäftigt sich der schwedische Cirkus Cirkör mit dem Neubeginn nach dem Zusammenbruch.

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