Meinl Bank steigt ins Mediengeschäft ein

2. Jänner 2015, 17:42
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Die Meinl Bank AG hat sich indirekt zu 50 Prozent an der Marx Media Vienna beteiligt. Die Gesellschaft, über die der Deal gelaufen ist, steckte zuletzt in finanziellen Nöten

Wien - Die Meinl Bank AG ist seit kurzem um eine Beteiligung reicher - und somit indirekt auch im Mediengeschäft aktiv. Die Wiener Privatbank unter der Führung von Peter Weinzierl hat am 9. Dezember die MMF Beteiligungsmanagement GmbH übernommen - und ist über diese Gesellschaft nun Hälfteeigentümerin der Marx Media Vienna GmbH (MMV). Und um sie geht es bei diesem Deal.

Marx Media Vienna ist im Wiener Medienquarter St. Marx daheim und vermietet ihre Studios u. a. für Fernsehproduktionen - für Willkommen Österreich zum Beispiel. Laut Homepage biete sich der MMV-Sitz im Kassengebäude des früheren Schlachthofs St. Marx auch als "Eventlocation" an.

Verbindlichkeiten in Millionenhöhe

Feste im Schlachthof dürften aber nicht das Motiv für den Einstieg der Bank gewesen sein. Vielmehr geht es (auch) um angeschlagene Finanzen. Die MMF hatte laut jüngstem Jahresabschluss Ende 2013 Verbindlichkeiten von fast 2,1 Mio. Euro, das Eigenkapital war mit 1,7 Mio. Euro negativ.

Vor der Übernahme durch die Meinl Bank sollen die Altaktionäre Einschüsse getätigt haben.

Wer diese Eigentümer waren? Das ist insofern schwierig zu sagen, als die MMF-Anteile von einer Treuhänderin, der Anwältin Doris Schöberl, gehalten wurden. Hinter ihr standen ursprünglich Adolf Wala (Ex-Notenbank- Generaldirektor und Fimbag- Vorstandsmitglied), Marx-Media- Geschäftsführer Christian Bodizs und MMF-Geschäftsführer Andreas Lenzinger.

Auch bei der jüngsten Meinl-Bank-Tochter, der Marx Media Vienna, lief es - wohlgemerkt: 2013 - nicht gerade rund. Sie hatte Schulden von 965.000 Euro, das Eigenkapital war mit 252.000 Euro negativ, der Verlust betrug 287.000 Euro. Allerdings bestand eine positive Fortführungsprognose, für 2014 wurde ein Gewinn erwartet.

Bank unterstützt Kleinbetrieb

Finanziert wurde Marx Media angeblich eben von der Meinl Bank, die sich für ihren Kredit eine Option auf 50 Prozent der Gesellschaftsanteile gesichert haben soll. Die habe sie nun via MMF realisiert. Von der Bank ist dazu nur wenig zu erfahren. Die Beteiligung solle zum Ausdruck bringen, dass "Marx Media ein gutes Unternehmen der Kreativwirtschaft ist und die Meinl Bank auch heimische Klein- und Mittelbetriebe unterstützt", hieß es.

Neben ihr hat sich mit weiteren 15 Prozent (die auch der MMF gehört haben) der Wiener Zivilingenieur Wolfgang Poppe über seine Privatstiftung WAG an der Marx Media beteiligt. Er ist Partner beim Ziviltechnikerbüro Vasko + Partner, das Generalkonsulent bei der Sanierung des ORF-Zentrums am Küniglberg ist. Möglicherweise hofft man bei Marx Media auch, über diesen Kanal neue ORF-Produktionen an Land und in die Studios ziehen zu können. Dies weist Poppe als Spekulation zurück.

Fußball-Freunde

Poppe hat aber noch andere Berührungspunkte mit den St. Marxern. Er ist, wie einst Bodizs, Vizepräsident des Fußballvereins Vienna. Dessen Ex-Präsident Herbert Dvoracek hatte Poppe mit einem Schulbau-Projekt auf dem Vienna-Areal auf der Hohen Warte betraut. Dvoracek wiederum hat einst mit seiner Mass-Response Geschäfte rund um die skandalträchtigen Call-In-Shows mit Marx Media gemacht.

Die Gemeinde Wien ist derzeit gerade dabei, einen Teil des Media Quarter St. Marx zu verkaufen. Sie hält 60 Pozent an der entsprechenden Projektgesellschaft, die restlichen 40 gehören der VBM. An ihr waren einst angeblich auch Wala und Rakhat Alijew beteiligt. Jetzige Gesellschafter sind Bodizs und die Frau von Lenzinger. (Renate Graber, DER STANDARD, 3.1.2015)

  • Eine Finanzierung für die Fernsehstudio-Betreiberin Marx Media Vienna GmbH hat die Meinl Bank in eine Beteiligung umgewandelt. Sie hat sich zu 50 Prozent indirekt an der Gesellschaft beteiligt, die am ehemaligen Schlachthof in Wien, Neu-Marx, domiziliert ist.
    foto: apa/zak

    Eine Finanzierung für die Fernsehstudio-Betreiberin Marx Media Vienna GmbH hat die Meinl Bank in eine Beteiligung umgewandelt. Sie hat sich zu 50 Prozent indirekt an der Gesellschaft beteiligt, die am ehemaligen Schlachthof in Wien, Neu-Marx, domiziliert ist.

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