Naturschutzbericht: EU schaut aufs Naturerbe

Kommentar2. Jänner 2015, 17:11
15 Postings

Ein gezielt betriebener Naturschutz kann die biologische Vielfalt in den österreichischen Ökosystemen retten

Lange nichts mehr gehört vom Waldsterben. Das ist ein Begriff aus den 1980er-Jahren, als Europas Wälder unter mit schwefliger Säure, Stickoxiden und Co belasteten Niederschlägen zu leiden hatten. Bäume starben truppweise ab, man fürchtete, dass alle großen Wälder über kurz oder lang zusammenbrechen würden.

Das ist nicht passiert, und zwar nicht zufällig. Gestoppt wurde das Waldsterben durch eine gezielte Umweltschutzpolitik und Emissionsvermeidung.

Der Wald wächst seit Jahren. Aber er ist nicht gesund. Im außeralpinen Raum findet sich in Österreich kein einziges Beispiel für ein gesundes Waldökosystem. Und in den alpinen Wäldern, wo man bei der Schutzwaldsanierung umfangreiche waldbauliche Maßnahmen gesetzt hat, sind auch nur drei Waldtypen nachhaltig in gutem Zustand.

Es ist ein verstörender Befund, den der Naturschutzbericht an die EU liefert, nicht nur für die Waldökosysteme. Der Bericht weiß von bedrohten Käfern, von eintönig standardisierten Grasflächen und von austrocknenden Aulandschaften. Aber er gibt auch einen Hinweis darauf, dass genaues Hinsehen den ersten Schritt zur Sicherung und Sanierung des Naturerbes darstellt: So wie der technische Umweltschutz das Waldsterben verhindert hat, so kann ein gezielt betriebener Naturschutz die biologische Vielfalt in den österreichischen Ökosystemen retten. Es ist bezeichnenderweise die EU, die uns daran erinnern muss.(Conrad Seidl, DER STANDARD, 3.1.2015)

Share if you care.