Mathematisch betrachtet: "Zombies bewegen sich nicht homogen"

2. Jänner 2015, 15:56
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Oxford-Mathematiker findet ein Modell für die Ausbreitung der schlurfenden Untoten ... und empfiehlt Flucht statt Kampf

Nein, so schnell werden Zombies nicht aus der Mode kommen. Das zeigte zuletzt eine weihnachtliche Posse, die einen mittelgroßen Medienrummel auslöste: Ein Mann aus dem US-Bundesstaat Ohio hatte als Weihnachtsschmuck in seinem Vorgarten eine biblische Krippenszene aufgebaut - mit sämtlichen Beteiligten in zombifizierter Form (hier eine Fotostrecke). Nach Beschwerden erhielt er einen Amtsbescheid, dass er dies entfernen müsse: Angeblich weil die Figuren samt dazugehörigem Stall zu groß und zu nah an der Straße seien ... klingt ein bisschen nach einer Ausrede.

Aber auch die "ernsthafte" Auseinandersetzung mit den Untoten blüht und gedeiht. Als jüngstes Beispiel einer mittlerweile ansehnlichen Reihe von wissenschaflichen Beleuchtungen des Themas hat Thomas E. Woolley vom Mathematik-Institut der Universität Oxford das Ausbreitungsmuster einer Zombie-Welle näher betrachtet.

illustration: t.e. woolley, r.e. baker, e.a. gaffney & p.k. maini
Das Modell: Von einem ursprünglichen Epizentrum mit hoher Leichendichte (z. B. einem Friedhof oder Krankenhaus) breiten sich Zombies zwangsläufig aus, selbst ohne schon Witterung aufgenommen zu haben. Je früher man Abstand zu solchen Orten gewinnt, desto besser.

Am ehesten entspricht dieses seinem Befund nach dem manchmal auch als "Irrfahrt" bezeichneten mathematischen Modell des "Random Walk". Eine große Zahl gleichartiger Zufallsbewegungen - in diesem Fall die von orientierungslos durcheinanderschlurfenden Zombies - führt letztlich dazu, dass sich die einzelnen Elemente der Menge räumlich ausbreiten. Die Geografie sei ein Faktor, den frühere Modelle einer Zombieepidemie nicht ausreichend berücksichtigt hätten, so Woolley. Diese hätten sich nur auf Zeit- und Bevölkerungsdichte-abhängige Interaktionen zwischen Lebenden und Untoten konzentriert, doch: "Zombies bewegen sich nicht homogen."

Sein mit einigen Grafiken und Diagrammen angereichertes Paper enthält nicht nur Berechnungen zu Geschwindigkeit und Muster der Ausbreitung der Zombiemassen, sondern auch eine eindeutige Antwort auf das alte "Kämpfen oder Flüchten"-Dilemma: Davonlaufen sei die bei weitem effektivere Variante, besagen seine Zahlen.

Das Paper im Volltext finden Sie hier:

--> Thomas E. Woolley et al: "Mathematical Modelling of Zombies" (PDF)

(red, derStandard.at, 2. 1. 2015)

  • Frühsport mit Untotenunterstützung.
    foto: apa/epa/facundo arrizabalaga

    Frühsport mit Untotenunterstützung.

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