Damit Organisationen gut laufen

4. Jänner 2015, 12:00
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Rollen müssen klar definiert sein. Wenn nicht, kann das zu Desorientierung, Defokussierung bis hin zum gefühlten Missbrauch führen

Rollen sind Bündel an Verhaltenserwartungen, die an Personen in bestimmten Funktionen gestellt werden. Sie beschreiben damit das Wie und nicht das Was, also die Verhaltenserwartung und nicht die Aufgabe. Sie begrenzen und klären damit Handlungsräume. Rollen zählen zu den unterschätztesten Phänomenen in Organisationen. Die kontinuierliche Aufmerksamkeit für Rollen (und nicht für Aufgabenbeschreibungen) erhöht den Energielevel in Unternehmen und vermindert Reibungsverluste erheblich.

Wir kennen alle informelle Rollen wie Beichtvater, Sprachrohr, Kümmerer und viele mehr. Diese informellen - nicht offiziell beschriebenen - Rollen sind die wirksameren. Denn sie übernehmen einen Großteil der eigentlich entscheidenden Koordinationsarbeit, die neben der formellen, offiziellen Hierarchie ausgleichend und systemstabilisierend wirkt. Stellen wir uns eine Führungskraft vor, die kaum Entscheidungen trifft, das gut eingespielte Team aber diese Aufgabe übernimmt. Alles funktioniert bestens abgestimmt, weil das Team mit seinem Chef eine (meist stillschweigende und nicht bewusste) Vereinbarung darüber getroffen hat.

Hochfunktionales Zusammenspiel

Es gibt nicht nur kein Problem, sondern das Zusammenspiel ist hochfunktional. Dies geht aber nur so lange gut, bis sich Personen oder Rahmenbedingungen verändern. Dann ruft diese fehlende Klarheit schnell Blockaden, Unklarheiten bis hin zu Konflikten hervor. Und dies meist sehr überraschend und für alle unverständlich, denn "es hat doch grad noch so gut funktioniert". Rollen koppeln die Menschen an die Organisation, indem sie das Wichtigste der Arbeit definieren - nämlich das Wie.

In fast allen untersuchten Unternehmen zeigte sich, dass Rollen und insbesondere die Führungsrollen unklar sind. Und damit beginnen die mannigfaltigs- ten Probleme. Diffuse Rollen mögen zwar mehr Spielraum für den Einzelnen geben, früher oder später führen sie aber zu Desorientierung, Defokussierung bis hin zum gefühlten Missbrauch. Zeichen für unklare Rollen sind das unaufhörliche Hin- und Herwälzen von Entscheidungen, eine Unklarheit darüber, von wem und in welcher Form letztendlich Entscheidungen erwartet werden.

Reibungsverluste vermeiden

Ungeklärte Rollen führen zu Double Binds, Fantasien und Reibungsverlusten und stellen die vielleicht wichtigste Quelle für Ineffizienzen und Motivationsverluste dar. Oder anders formuliert: Die laufende Klärung und Koordination von Rollen in Organisationen, also der konsequente Dialog über die Frage "Was für eine Haltung und Verhalten sollen die Menschen in ihrer Arbeit in bestimmten Situationen zeigen, und wie sollen sie sich zueinander verhalten?" bringt jedem Unternehmen viel mehr als jedes Optimierungsprogramm.

Damit klären sich Entscheidungskompetenzen und -wege, damit werden aus Doppelbotschaften klare Verantwortungsräume. Dies führt zu effektiven Prozessen und Strukturen und letztlich zu positiver Energie. (DER STANDARD, 3./4.1.2014)

Lothar Wenzl ist Managing Director im systemischen Beratungshaus Trainconsulting. www.trainconsulting.eu

  • Durch eine klare Rollenverteilung werden Reibungsverluste minimiert.
    foto: www.istockphoto.com/vectomart

    Durch eine klare Rollenverteilung werden Reibungsverluste minimiert.

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